Dienstag, 8. April 2008

Pickelhaube? - ja bitte, get it back!

Oh nein, wie konnte ich das nur vergessen - eigentlich wollte ich ja gestern noch ausführlich von den Fähigkeiten der russischen Bevölkerung zur Improvisation berichten!
Macgyver würde hier nämlich vor Neid erblassen - besonders in Sachen Alkohol und Einfallsreichtum treffen zwei Faktoren zusammen, die jedermann zu pragmatischen Höchstleistungen treiben, über die ich immer nur staunen kann.
Gestern beispielsweise hat mir Alexey von ca. 25 verschiedenen Varianten berichtet, wie er sein Motorrad in Jugendzeiten verwendete, um Weinflaschen zu öffnen. Auf die Frage, wie man denn in Deutschland Weinflaschen ohne Korkenzieher oder ähnliches Werkzeug entkorkt, konnte ich spontan nur hilflos vor mich hinstottern - Asche über mein Haupt!
Wie gesagt, in Russland löst man solche Probleme sehr schnell und pragmatisch, schließlich will man ja seinen Wein dann auch genießen. Keine Gläser da? - Kein Problem, schließlich hatte Alexeys Motorrad ja vier Blinker, die man allesamt abschrauben und für Saufgelage geplegte Konversationen bei Rotwein zweckentfremden kann...
Wesentlich weniger pragmatisch veranlagt sind viele Menschen, wenn es darum geht, Konversationen zu führen - neulich hatte jemand am Bahnhof spitzbekommen, dass ich Ausländer bin (was ja auch an meiner englischsprachigen Zeitung recht einfach zu erkennen war) - unbeugsam von dem Gedanken überzeugt, der englischen Sprache mächtig zu sein, wollte der gute Mann daraufhin nicht nur während den zwanzig Minuten Wartezeit auf den Zug, sondern auch noch während der Zugfahrt selbst mit mir englisch parlieren, was aber leider daran scheiterte, dass sich die meisten von ihm verwendeten "englischen" Wörter zu einhundert Prozent von sämtlichen mir bekannten englischen Ausdrücken unterschieden - um genau zu sein, er sprach russisch und war der festen und unbeirrbaren Überzeugung, englisch zu sprechen.
Nachdem ich am Anfang wirklich versucht hatte, ihm ein bisschen Freude zu machen und ein bisschen Konversation zu führen, gab ich irgendwann resigniert auf, was aber meinen Begleiter nur zu neuen Wortkaskaden veranlasste - ich war dann wirklich froh, als endlich der Zug kam, und er mit seiner Zigarette im Raucherabteil stehen bleiben musste... Nachdem ich dann durch den halben Zug gelaufen bin, war ich froh, ihn endlich los zu sein - dumm nur, dass man in so einem Zug nur in eine Richtung flüchten kann, denn einige Minuten später blitzte schon wieder das selige Grinsen meines neuen Freundes neben mir auf.
Ich kauf mir doch eine Pickelhaube, damit jeder weiß dass ich Deutscher bin und keinerlei andere Sprachen spreche und außerdem ganz ruppig und gemein bin. Dann hab ich wenigstens meine Ruhe, und einen Blitzableiter noch dazu.

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