Dienstag, 22. April 2008

Good bye, Moskau!

Schluchz - heute war meine Abschlusspräsentation bei Kasperksy... Übermorgen geht es ja schon wieder in die Heimat, und am liebsten würde ich alle meine Kollegen mitnehmen ;-)
Es hat hier einfach so viel Spaß gemacht, und alle Leute waren sehr nett und offen und haben mich freundschaftlich aufgenommen und waren so etwas wie eine zweite Familie für mich. Und meine Präsentation sollte eine Art Dankeschön sein, bei der ich einen kurzen Überblick gegeben habe, warum ich nach Moskau gegangen bin und mit Hilfe von Fotos habe ich dabei illustriert, wie meine Erlebnisse hier so waren.
Davor hatten meine Kollegen aus dem Produktmanagement etwas Alkohol besorgt (damit kennen sie sich ja gut aus), und Christels Content Editors haben ein dickes Buffet inklusive Pizza aufgefahren :-)
Alexander hat dann noch einen Toast auf mich gehalten, den ich original nicht verstanden habe, weil er auf russisch war - aber Christel hat in für mich übersetzt, und in dem Moment hätte ich dann am liebsten mein Rückflugticket zerrissen und in den Müll geworfen...

Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich in meinem Praktikum sehr viel gelernt habe - zum einen habe ich natürlich im "klassischen" Sinne eines Praktikums sehr viele interessante Einblicke in die Bereiche Produkt Management und PR/Content Editing gewonnen.
Aber was meiner Meinung nach noch wichtiger ist, und was in dem Ausmaß wohl auch nur während eines Auslandspraktikums möglich ist, ist die persönliche Erfahrung, die ich gesammelt habe.
Mein Praktikum hier in Russland war in vielerlei Hinsicht ein sehr schönes, lehrreiches und sicher auch prägendes Erlebnis für mich, und dafür ein großes Dankeschön an alle, die mich vor und während meines Praktikums unterstützt haben :-)

Sonntag, 20. April 2008

Eine Bootsfahrt die ist lustig, eine Bootsfahrt die ist schön...

So, es liegt mal wieder ein abwechslungsreiches und anstrengendes Wochenende hinter mir - aber es war ja vorerst mein letztes in Moskau, und ich wollte noch einiges sehen - das habe ich auch geschafft, und bin ganz glücklich darüber :-)
Gestern habe ich mit André und einem russischen Freund eine kleine Bootstour auf der Moskwa gemacht. Das war sehr schön, weil man sehr nahe an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbeigetuckert ist, und ich konnte nochmal einige nette Fotos machen.Leider ist es im Moment ziemlich kalt und vor allem windig, und ich habe mich wohl total unterkühlt, jedenfalls war ich dann ziemlich fies krank hinterher, nachdem ich schon Freitagnacht auf dem Weg aus dem Büro klatschnass geworden bin - deswegen ist leider nichts aus unserem Plan geworden, abends nochmal die Stadt unsicher zu machen.
Dafür bin ich daheim geblieben und habe mit meinem Mitbewohner und zwei seiner Freunde eine typische russische Privatparty (zumindest hat man mir das versichert) gefeiert - man sitzt zusammen in der Küche und vernichtet möglichst große Mengen Alkohol. Zum Glück konnte ich behaupten, eine Medizin zu nehmen, bei der man nicht zuviel Alkohol trinken kann - auch russische Mägen scheinen gegen übermäßigen Genuss von Wein, Schnaps & Co nicht völlig resistent zu sein, jedenfalls war unser Klo ziemlich lange belegt in dieser Nacht. So lange den tollen Fliesen nichts passiert ist!

Heute war ich dann in sage und schreibe drei Galerien... Eine interessanter als die andere, und nachdem zwei davon Privatgalerien waren, gab es dort sogar englische Texte - wenn ich mir nicht drei Galerien angesehen hätte, hätte ich mir sonst einen Audioguide mitgenommen, das ist auf jeden Fall empfehlenswert - aber dazu hat mir dann eben leider die Zeit nicht gereicht.
Zuerst war ich im Staatlichen Puschkin-Museum - nicht zu verwechseln mit dem Puschkin-Museum der Bildenden Künste. Dieses erste Museum hat mir am besten gefallen - es gab Werke zahlreicher bedeutender russischer Künstler, zum Beispiel Kandinsky, aber auch viele westliche Maler - Monet, van Gogh oder Picasso beispielsweise. Habe mir auch einen (hoffentlich guten) Führer für dieses und noch ein anderes Museum gekauft - diese Führer sind hier sehr günstig, obwohl fast alle Bilder abgedruckt sind. Eines kostet um die7 bis 10 Euro, solange man nicht zum Monster-Bildband greift.
Als nächstes war ich in der Glasunow-Galerie. Glasunow ist ein zeitgenössischer russischer Künstler, und in seinen Gemälden verarbeitet er meist Themen wie Religiosität und Nationalismus - nicht unbedingt mein Geschmack, aber wenn man sich ein bisschen mit der russischen Geschichte beschäftigt hat, sind die Bilder doch sehr eindrucksvoll, und die Gemälde sind zum Teil wirklich enorm groß, und geben einen Abriss der russischen Geschichte wieder.
Als letztes war ich dann noch im Museum der Privatsammlungen. Wie der Name schon sagt, befinden sich darin die Sammlungen einiger Privatleute - die Stile und Epochen der Gemälde bzw. Werke sind dementsprechend sehr unterschiedlich. Moderne Kunst gab es leider relativ wenig, aber allein das Gebäude an sich fand ich schon sehr schön.
Danach war ich nach kurzem Abstecher zu McDonalds (Ja, ich weiß - ich tu's nie wieder!) noch mit André und russischen Freunden im Nikoulin-Zirkus - wir hatten Glück, weil wir Freikarten bekommen haben (Beziehungen machen's möglich ^^), sonst wären wir wohl umsonst am Eingang gestanden - es war kein einziger Platz mehr frei. Ich gebe zu, dass ich nicht der riesige Zirkus-Fan bin, aber gerade Akrobaten finde ich doch immer wieder faszinierend! Nur die armen Löwen haben mir leid getan, weil der fiese Dompteur sie immer mit der Peitsche angetrieben hat - aber der Arme hat halt noch nie bei Kaspersky gearbeitet und weiß nicht, dass Motivation auch anders funktionieren kann ;-)


Die Rückfahrt war dann wieder Mist, weil ich natürlich den letzten Zug um ca zwei Minuten verpasst habe und dann 40 Minuten in der Kälte stehen konnte. Aber wenigstens kann ich den miesen Zug ganz toll auf russisch verfluchen, immerhin ein Anfang :-)

Samstag, 19. April 2008

Sabotage!!

Dass der russische Fußball nicht unbedingt Weltklasse-Niveau hat, ist ja hinreichend bekannt - dass allerdings die Eishockey-Mannschaft spitze ist, ist auch den meisten bekannt. Konsequenterweise spielt man hier in Russland nicht Kicker, sondern Tablehockey. Ich bin ja der Meinung, dass unser Tablehockey-Spiel ein Geschenk der Konkurrenz ist - unmittelbar nach dessen Ankunft in unserem Büro ist die Produktivität nämlich mit enormer Geschwindigkeit in den Keller gegangen.
Alles fing damit an, dass am Mittwoch für Vassily ein Paket an der Rezeption ankam - als er dann freudestrahlend zurückkam, wurde er sofort von Vanya und Viggy umringt, und die drei machten sich gleich voller Eifer daran, das Tablehockey-Spiel aufzubauen.

Nachdem das Spiel hier in Russland wohl wirklich relativ populär ist, können die meisten meiner Kollegen auch ziemlich meisterhaft die Strippen ziehen und die Figuren übers Eis tanzen lassen - besonders Vassily und Alexander spielen sehr gut.
Ich bin mittlerweile auch nicht mehr ganz so unbeholfen, bekomme aber immer noch regelmäßig eins auf den Deckel - bin aber sehr stolz, mittlerweile habe ich schon meine ersten Spiele gewonnen!

Das Spiel ist relativ schwierig zu beherrschen, da jede Spielfigur eine andere "Schiene" hat, auf der sie sich bewegen kann - und insgesamt gibt es sechs Spielfiguren. Alleine bis man weiß welche Figur mit welcher Stange bedient wird, vergeht einige Zeit...
Aber sobald man das ganze etwas raus hat, macht es wahnsinnig viel Spaß, und man kann wirklich tolle Kombinationen machen - dumm nur, dass man ja eigentlich arbeiten sollte.

Montag, 14. April 2008

Parallelen zwischen bayerischer und russischer Politik oder Zwei Weltmächte auf Augenhöhe (fast)

Wow, heute habe ich einen richtig tollen Ausflug gemacht - dank meiner deutschen Kollegen Christel! Ihre Abteilung hatte heute nämlich ihre Team-Building-Activity, und ich durfte mitmachen, obwohl ich ja eigentlich zum Produktmanagement gehöre...
Diese Team-Building-Activity passt wie die Faust aufs Auge zu meinem Touristen-Programm, heute ging's nämlich in den Kreml - und zwar nicht irgendwohin auf den Kirchenplatz oder so, sondern richtig in den Großen Kremlpalast, der sonst für Besucher nur in Ausnahmefällen zugänglich ist (Delegationen etc.).

Das ist ein Archivfoto aus meinen umfangreichen Beständen...
Neben den Kirchen, ganz links, sieht man den Großen Kremlpalast.


Allerdings kommt man auch mit offizieller Einladung nicht so einfach rein, zunächst mussten wir zwei Metalldetektoren, eine Leibesvisitation (zumindest bei zwielichtig aussehenden Besuchern wie mir) sowie eine Passkontrolle durchlaufen - im Gegensatz dazu war die Einreise nach Russland ja ein Kinderspiel!
Nachdem wir die Sicherheitskontrollen schließlich alle passiert hatten, haben wir noch eine Sicherheitsanweisung bekommen - Handy aus, Kamera aus (leider!) und nur auf dem roten Teppich laufen! Letzteres lässt man sich natürlich nicht zwei Mal sagen :-)
Das mit dem Teppich hatte allerdings durchaus seine Bewandtnis - grundsätzlich stehe ich ja prunkvollen, möglicherweise auch noch barocken Sälen in Schlössen etc. eher negativ gegenüber (einfach nicht mein Stil), aber hier... Ich war wahnsinnig beeindruckt! Jedenfalls gab es hier Parkett, der noch im Originalzustand von 1848 war, und glänzte als wäre er gestern verlegt worden - und dass er aus bis zu 19 verschiedenen Holzsorten bestand, hat diesen Eindruck nur noch verstärkt...
Die zahlreichen Säle an sich waren dann jeder schon sehr sehenswert und erreichten gigantische Ausmaße - es ist schwer zu beschreiben, es war wirklich enorm sehenswert und sehr eindrucksvoll...
Kein Wunder, dass auch heute noch alle wichtigen Staatsempfänge und Banketts in diesen Räumlichkeiten abgehalten werden!


Nachdem jetzt wieder der Bilder-Upload funktioniert, hier noch ein kleiner Nachtrag zu meinem Ausflug am Samstag:

Nachdem ich hier ja bereits in der Vergangenheit Opfer von terroristisch motivierten Verbrechen geworden bin, hat es mich gefreut zu sehen, dass die Täter mit voller Härte bestraft werden. Eigentlich finde ich ja, dass öffentliches Zurschaustellen à la Pranger der Vergangenheit angehören sollte, aber manchmal muss man einfach zu extremen Maßnahmen greifen.
Führende Innenpolitiker der Partei der bayerischen Erbmonarchie CSU werden mir bestimmt zustimmen, wenn ich der Meinung bin, dass schon gegen jugendliche Straftäter keine Milde gezeigt werden darf.
Ich bin deshalb dafür, auch in Deutschland die Bestrafung renitenter Jungkrimineller durch öffentliche Ächtung einzuführen, wie sie hier in Russland praktiziert wird:

Das schreckliche Vergehen, das zu dieser harten, aber gerechten Strafe geführt hat: öffentliches Tragen folgenden Kleidungsstücken, die jeglichen ethischen Grundsätzen entgegenlaufen und die Grenzen des guten Geschmacks gleichsam planieren:
Ich war nämlich am Samstag beim Allsowjetischen Ausstellungszentrum (wir berichteten), in dem wohl heutzutage nicht mehr die Errungenschaften des Sozialismus ausgestellt sind, sondern alter Plunder, der von einem Dachboden zu stammen scheint...
Jedenfalls sind einige Leute tatsächlich blöd genug, 60 Rubel dafür zu bezahlen (willkommen im Club, Johannes), sich dann irgendwelchen Krimskrams anzuschauen, der lieblos auf den Boden geschmissen ist - aber dafür ist das ein Museum zum anfassen, und man kann wahrscheinlich neben der Anprobe toller Kopfbedeckungen auch gleich kostenlos eine reichhaltige Sammlung süßer Kopfläuse erwerben!

Abgesehen von dieser lustigen Ausstellung war das ganze Gelände sehr verlottert - der Stil der Gebäude hat mir zwar nicht gefallen, aber es wurde definitiv eine Menge Arbeit hereingesteckt, von dem her finde ich es etwas schade, dass die Baulichkeiten so verfallen.
Abgesehen von den drakonischen Maßnahmen gegen Schlimmfinger ist die russische Politik der bayerischen mal wieder erstaunlich näher - ich mein jetzt nicht nur im Hinblick auf Wahlen, sondern vor auch in Bezug auf Fortschrittsgläubigkeit.
Wobei Russland hier schon mal ein Führung gegangen ist, während sich King Edmund noch vergeblich mit nervigem Gschwerl wie Bürgern oder Staatshaushalten abplagen musste. Hier gibt es nämlich schon eine Art russischen Transrapid... Ich bin noch zum krönenden Tagesabschluss mit besagter Monorail gefahren, obwohl das rein zeitökonomisch total dämlich war, weil die Metro um ein vielfaches schneller ist. Aber ich wollte es halt einfach machen. Also bin ich direkt in den Hauptbahnhof eingestiegen und...
Naja, ich übertreibe, es war nicht direkt ein Transrapid, aber die Fahrt war etwas teurer, der ganze Pöbel musste draußen bleiben, und man war endlich unter sich. Man konnte also während der quälend langsamen Fahrt (wie gesagt, not exactly Transrapid) gehobenen bürgerlichen Kreisen auf den Füßen rumtrampeln, und das vor wunderschönen, romantisch verrauchten Industriefassaden, die am Fenster vorbeiglitten.
Beeindruckender fand ich da noch das Denkmal, das drei Jahre nach Gagarins Weltraumausflug beim Allsowjetischen Ausstellungszentrum errichtet wurde:

Ganz oben thront eine Rakete, die von einem riesigen Schweif befeuert gen Himmel rast - find ich eine tolle Idee und ist meiner Meinung nach toll umgesetzt!

Sonntag, 13. April 2008

Das Phantom-Kloster

Nein, nein, ohne Foto-Upload ist das einfach nicht das selbe - manchmal sagen Bilder eben einfach mehr als tausend Worte, wie man so schön sagt. Aber nichts zu machen, ich bekommen einfach keine Bilder mehr auf den Blogger-Server!
Naja, jedenfalls war ich heute ganz fleißig unterwegs - und ich hatte es mir fest zum Ziel gesetzt, endlich in die Kreml-Waffenkammer zu gehen. Was gar nicht so einfach ist, denn Einlass ist nur alle zwei Stunden - und das Ticket kann man nur genau 45 Minuten vorher kaufen. Warum das so ist, und warum man zwischen Kauf und Einlass zu Untätigkeit verurteilt ist, konnte oder wollte mir auch die Dame an der Kasse nicht sagen... Jedenfalls war ich für den Einlass um 12:30 pünktlich an der Kasse, aber die Karten waren schon ausverkauft, obwohl ich der zweite in der Schlange war - hallo!?
Ich habe mir dann geschworen, noch einen Versuch zwei Stunden später zu starten, und bin in der Zwischenzeit ins Historische Museum am Roten Platz gegangen - das war sehr interessant, es gab dort viele erstaunlich gut erhaltene Fundstücke aus verschiedenen Epochen. Leider auch hier - wie in den meisten russischen Museum - nur Fragmente englischer Beschreibungen, wenn überhaupt. Aber mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt, und ein bisschen was verstehe ich - aber es dauert aufgrund der Schriftzeichen einfach viel zu lang, das zu lesen :-(
Mein nächster Anlauf am Ticket-Office war dann endlich endlich erfolgreich - auch wenn ich ca eine halbe Stunde anstehen musste dafür, weil mittlerweile auch viele Touristen eingetrudelt sind... Aber insgesamt hält es sich immer noch im erträglichen Rahmen, die meisten Besucher gerade auch in Galerien sind immer noch Russen, und das ändert sich wohl auch erst nach den Maifeiertagen.
In der dann doch recht knappen Wartezeit zwischen Kartenkauf und Einlass bin ich dann noch schnell zum GUM-Kaufhaus gehetzt, um mir da ein Eis zu kaufen - war auch ganz lecker, aber war halt kein echtes italienisches Eis ;-)
Die Waffenkammer selbst hat mich jetzt nicht sooo vom Hocker gehauen - was interessant war, waren die Kleider aus der Zeit. Man fragt sich, wo bei manchen Kleidern mit Wespentaille denn die inneren Organe bitte Platz haben sollen, viel mehr als die Wirbelsäule dürfte da nicht drin sein... Und das auch noch, wo die Leber doch eh schon vom vielen Alkohol so malträtiert sein dürfte!
Im Anschluss wollte ich dann noch ein Kloster gehen - also als Tourist, nur dass hier jetzt keine falschen Vorstellungen aufkommen ;-)
Jedenfalls wäre auch meine Klosterbruder-Karriere genauso wie meine touristischen Ambitionen daran gescheitert, dass das Kloster nicht da war, wo es laut Karte sein sollte... Bevor ich jetzt hier zum Navigationsamateur erklärt werde: nachweislich war ich genau in der richtigen Straße (leider leider kann ich ja keine Bilder mit Straßenschildern hochladen), aber mein halbstündiger Fußmarsch (einfach) war leider nicht von Erfolg gekrönt. Dafür bin ich durch einen richtig schönen Hinterhof-Slum marschiert und hab mit einer richtig süßen Katzen (und im gleichen Zug vermutlich einer Brigade Flöhe) Bekanntschaft gemacht, und alleine deshalb hat sich der Weg ja eigentlich schon gelohnt!

Mal wieder in eigener Sache

Normalerweise bin ich ja kein Freund von Verschwörungstheorien, aber hier haben sich mit Sicherheit finstere Mächte gegen mich verbündet:
- mein Mobilfunkprovider kann keine SMS mehr nach Deutschland verschicken. Grund unbekannt.
- unsere Internetverbindung war auch schon mal definitiv stabiler, gerade abends fliegen wir hier öfters immer wieder raus
- und, was das Schlimmste ist: bei Blogger kann man zur Zeit keine Bilder zu den Posts hinzufügen; und einen Post ohne Bilder finde ich ja mal richtig langweilig! Hoffentlich bekommen die Jungs das bald wieder in Griff, ich hab doch so schöne Fotos ;-)

Mittwoch, 9. April 2008

Verlegene Schatten in der Servicewüste

Argh, heute habe ich mal wieder Bekanntschaft mit der russischen Dienstleistungsgesellschaft gemacht - wenn jemand von der "Servicewüste" Deutschland spricht, sollte er vielleicht einmal eine Woche in Russland verbringen ;-)
Eigentlich wollte ich ja nur noch schnell auf dem Heimweg einkaufen. Grundsätzlich ja kein Problem, da die meisten Geschäfte hier in Russland sehr lange geöffnet haben. Nur leider halten sich die Angestellten scheinbar nicht an die ausgeschriebenen Öffnungszeiten...
Jedenfalls hat der Supermarkt in unserem Stadtteil von 9 bis 22 Uhr geöffnet (theoretisch). Ich hatte Glück, ich kam nämlich um 21:45 an - zwei Minuten, nachdem ich drin war, wurde die Türe verschlossen. Für jeden Kunden, der den Laden verließ, wurde die Tür extra aufgesperrt - sonst könnte ja jemand auf die Idee kommen, einfach reinzugehen und womöglich noch etwas zu kaufen! Glücklicherweise konnte das durch diese drastische, aber angemessene Maßnahme erledigt werden.
Zumindest an Personalmangel scheint es nicht zu mangeln, jedenfalls springen zu jeder Tageszeit mindestens zwei Leute in schäbigen Anzügen rum, die potentiellen Taschendieben auf die Finger schauen. Ich scheine besonders verdächtig zu sein, jedenfalls habe ich oft einen Schatten, der sich sehr leicht überrumpeln lässt, wenn man abrupt die Richtung wechselt und der dann verlegen Damenbinden oder eben das nächstgelegene Regal inspiziert.
Wahrscheinlich werde ich deshalb so oft verfolgt, weil ich immer mehrmals schmunzelnd an dem wertvollen Finlandia vorbeigehe, der hier sehr teuer ist und entsprechend in einer Vitrine vor Langfingern weggesperrt ist - die 0,5 Liter Flasche übrigens.
Glück hatte ich auch, denn die Kühlregale waren ausnahmsweise gut gefüllt. Dass das nicht immer der Fall ist, hängt wohl weniger mit Warenmangel als vielmehr mit mangelhafter Logistik zusammen. Aber wie gesagt, ich habe heute eigentlich alles bekommen - sogar schwarze Schuhcreme, nachdem meine deutsche sich hier im russischen Staub sehr schnell dem Ende geneigt hat. Ich hoffe, dass meine Schuhe die Behandlung mit dieser ausgewogenen Mixtur mit verschiedenen Bienenwachsen (das verspricht zumindest die Verpackung) wohl überstehen werden...
Die nächste Hürde war dann die Kasse. Nachdem ich drüber nachgedacht habe, verstehe ich auch, warum das Geschäft so früh zugesperrt hat. Würden um 22 Uhr noch drei Kunden an der Kasse anstehen, müsste das gesamte Personal ewig Überstunden schieben, weil die guten Menschen im Schneckentempo abgefertigt werden...
Bei den ersten ein oder zwei Damen an der Kasse habe ich gedacht, dass sie vielleicht Arthritis haben, so langsam und vorsichtig haben sie die Waren vor den Scanner gezogen. Da aber nicht ALLE russischen Kassiererinnen Arthritis haben können, bin ich mittlerweile der Überzeugung, dass größtmögliche Langsamkeit schlichtweg zum Berufsethos gehört.
Die Dame an der Kasse heute hatte jedenfalls für die drei Leute vor mir ca 10 bis 15 Minuten gedauert - was noch zusätzlich verlängert wurde durch den Streit, den sie mit einem Kunden vom Zaun gebrochen hat, weil er nämlich die falsche Sorte Bier gekauft hat. Ich habe nicht verstanden, warum die Sorte falsch war, aber jedenfalls hat die Kassiererin gebockt und hat das Bier unter dem Fließband versteckt, was dann zu einem furchtbaren Kasperltheater um die Flasche Bier geführt hat...
Anscheinend habe ich die richtige Sorte gekauft, oder meine mittlerweile mit Sicherheit katastrophalen Leberwerte kann man nicht in meinem Gesicht erkennen, jedenfalls habe ich meine Flasche Wodka bekommen, ohne mit meinem deutschen Pass wedeln zu müssen - was manchmal wahre Wunder wirkt (aber auch gehörig nach hinten losgehen kann).

Dienstag, 8. April 2008

Pickelhaube? - ja bitte, get it back!

Oh nein, wie konnte ich das nur vergessen - eigentlich wollte ich ja gestern noch ausführlich von den Fähigkeiten der russischen Bevölkerung zur Improvisation berichten!
Macgyver würde hier nämlich vor Neid erblassen - besonders in Sachen Alkohol und Einfallsreichtum treffen zwei Faktoren zusammen, die jedermann zu pragmatischen Höchstleistungen treiben, über die ich immer nur staunen kann.
Gestern beispielsweise hat mir Alexey von ca. 25 verschiedenen Varianten berichtet, wie er sein Motorrad in Jugendzeiten verwendete, um Weinflaschen zu öffnen. Auf die Frage, wie man denn in Deutschland Weinflaschen ohne Korkenzieher oder ähnliches Werkzeug entkorkt, konnte ich spontan nur hilflos vor mich hinstottern - Asche über mein Haupt!
Wie gesagt, in Russland löst man solche Probleme sehr schnell und pragmatisch, schließlich will man ja seinen Wein dann auch genießen. Keine Gläser da? - Kein Problem, schließlich hatte Alexeys Motorrad ja vier Blinker, die man allesamt abschrauben und für Saufgelage geplegte Konversationen bei Rotwein zweckentfremden kann...
Wesentlich weniger pragmatisch veranlagt sind viele Menschen, wenn es darum geht, Konversationen zu führen - neulich hatte jemand am Bahnhof spitzbekommen, dass ich Ausländer bin (was ja auch an meiner englischsprachigen Zeitung recht einfach zu erkennen war) - unbeugsam von dem Gedanken überzeugt, der englischen Sprache mächtig zu sein, wollte der gute Mann daraufhin nicht nur während den zwanzig Minuten Wartezeit auf den Zug, sondern auch noch während der Zugfahrt selbst mit mir englisch parlieren, was aber leider daran scheiterte, dass sich die meisten von ihm verwendeten "englischen" Wörter zu einhundert Prozent von sämtlichen mir bekannten englischen Ausdrücken unterschieden - um genau zu sein, er sprach russisch und war der festen und unbeirrbaren Überzeugung, englisch zu sprechen.
Nachdem ich am Anfang wirklich versucht hatte, ihm ein bisschen Freude zu machen und ein bisschen Konversation zu führen, gab ich irgendwann resigniert auf, was aber meinen Begleiter nur zu neuen Wortkaskaden veranlasste - ich war dann wirklich froh, als endlich der Zug kam, und er mit seiner Zigarette im Raucherabteil stehen bleiben musste... Nachdem ich dann durch den halben Zug gelaufen bin, war ich froh, ihn endlich los zu sein - dumm nur, dass man in so einem Zug nur in eine Richtung flüchten kann, denn einige Minuten später blitzte schon wieder das selige Grinsen meines neuen Freundes neben mir auf.
Ich kauf mir doch eine Pickelhaube, damit jeder weiß dass ich Deutscher bin und keinerlei andere Sprachen spreche und außerdem ganz ruppig und gemein bin. Dann hab ich wenigstens meine Ruhe, und einen Blitzableiter noch dazu.

Montag, 7. April 2008

Bauliche Unzulänglichkeiten moderner Gebäude beim Transport von floristischen Großgebinden

Heute stand mal wieder ein Geburtstag auf dem Programm - und zwar der von Olga aus der PR-Abteilung. Klar, dass da wieder Alkohol in Strömen fließen musste - obwohl die eigentliche Geburtstagsfeier wann anders stattfinden soll, woran ich mich immer noch nicht so ganz gewöhnt habe ;-)
Ich lehne aber mittlerweile immer standhaft ab, schließlich habe ich nicht einmal gestern auf dem Schwarzmarkt eine Leber gesehen, und in Deutschland sind die Dinger ja auch nicht grade zu Spottpreisen zu haben.
Neben meinen persönlichen Erfahrungen habe ich mittlerweile auch tonnenweise Bildmaterial, mit dem man ganze Anti-Alkoholiker-Bibel ausstaffieren könnte...
Beispielsweise meine lieben Kollegen auf unserem letzten inoffiziellen "Betriebsausflug" in eine hiesige Spelunke:Aber abgesehen von Alkohol hat Olga heute auch einige andere Geschenke bekommen - enormer Beliebtheit erfreuen sich hier Blumensträuße, an jeder Metro-Station gibt es durchschnittlich schätzungsweise zwei bis drei davon. Man sieht dann auch immer Menschen jeden Alters und Geschlechts mit einem Strauß Blumen herumlaufen - interessant wären die Preise, aber darüber bin ich leider überhaupt nicht informiert.
Am Frauentag kam man sich dann in der Metro vor wie in einem Tulpenfeld - und Olga hat heute auch Blumen aus ca fünf verschiedenen Abteilungen bekommen... Wir haben ihr dann geholfen, die Sträuße ins Auto zu tragen, und ich wünschte, dass ich ein Foto davon hätte: Olga ging mit ihrer Handtasche voran, hinter ihr trotteten ergeben drei Mann, die Hände voll mit zum Teil gigantischen Blumenbouquets - bis unsere kleine Kolonne dann von den räumlichen Realitäten eingeholt wurde, als es hieß, den Fahrstuhl zu entern...
Zusätzlich zu der maximalen Tragfähigkeit an Personen und Gewicht sollte man vielleicht die Höchstanzahl Blumensträuße angeben!

Samstag, 5. April 2008

Design-Telefone made in Russia

Nachdem ich schon sowohl die Neujahrsfeier von Kaspersky Lab als auch die Geburtstagsparty verpasse, war ich richtig glücklich, dass zumindest eine große Veranstaltung in den Zeitraum meines Aufenthalts fiel: am Freitag war die Jahresversammlung von Kaspersky Lab.
Ich habe mir von der Veranstaltung im Vorfeld viele neue Informationen versprochen - meine Kollegen sahen das zum Teil ganz anders und stimmten lautstarke Wehklagen über einen verlorenen Arbeitstag an. Dass sie es mit ihren Gefühlen wirklich ernst meinen, begriff ich erst so richtig, als sich Alexander für die Busfahrt zur Akademie der Wissenschaften rüstete:
Die Busfahrt war dann auch wirklich grauenhaft - wir saßen schön fest im Moskauer Verkehr, und nach einer Stunde Feinstaubpenetration ist meine Lunge wahrscheinlich so schwarz wie der Landtag in Bayern.
Die Akademie der Wissenschaften alleine entschädigte aber schon für die Odyssee durch Moskau - scheinbar konnten Architekten auch zu Sowjet-Zeiten auf chemische Substanzen zurückgreifen, die ihnen halfen, ihre Kreativität voll zu entfalten...
Die Veranstaltung war dann allen Unkenrufen meiner Kollegen zum Trotz dennoch recht interessant - auch wenn die Simultanübersetzung nach einiger Zeit recht ermüdend wurde.
Aber ich war ja froh, dass es sie gab :-)

Gestern war ich dann mit André im Revolutionsmuseum - dort gibt es Exponate in grob nach Jahrzehnten unterteilten Räumen, es geht ungefähr zur Zeit des Wiener Kongresses los und endet in der Neuzeit. Genau diese Art von Museum wollte ich unbedingt sehen, und durch Zufall habe ich es in meinem Reiseführer entdeckt - und ich habe den Besuch nicht bereut, es war wirklich sehr interessant!

Ha! Wenn das nicht Prinzessin Leias Blaster aus Star Wars ist!


Auch wenn ich wieder fast rausgeflogen wäre, weil ich verbotenerweise fotografiert habe. Und ein kleines bisschen den Alarm ausgelöst habe.
Aber ich wollte euch das tolle Hammer- und Sicheltelefon nicht vorenthalten:
Viel besser als ein ordinäres Iphone ;-)

Und heute war ich mit Sergej, dem Sohn meiner deutschen Kollegin Christel, auf einem Markt - neben echt gefälschten Armani-Jeans gibt es dort alles, was das Touristen-Herz begehrt... Das Praktische ist, dass der Markt relativ weit außerhalb ist, und die Souvenirs somit deutlich billiger als in der Stadtmitte, beispielsweise auf dem Arbat, sind.
Neben den üblichen Matrushkas, Fabergé-Eiern etc. kann man dort auch allerhand Militaria kaufen - besonders beliebt sind beispielsweise russische Uniformen aus Zeiten der Sowjet-Union oder deutsche Ausrüstungsgegenstände aus dem Zweiten Weltkrieg.
Mit politischer Korrektheit müht man sich dabei nicht lange ab - vom Eisernen Kreuz über den Stahlhelm bis zum SS-Dolch bekommt man da wirklich alles...
Ich habe der Versuchung widerstanden, mein Arsenal an Defensivwaffen auszubauen, und habe mir die Kalashnikov NICHT gekauft - wobei bei einer derartigen Armierung die Bedrohung durch lästige Taschendiebe im Zug wohl rapide schrumpfen würde!
Hätte ich mir dann auch noch eine Pickelhaube und eine russische Generalsuniform gekauft, dann hätte sich bestimmt kein Terrorist mehr in die Nähe des Zuges gewagt.
Sher zugute kam mir, dass Sergej zweisprachig (russisch und deutsch) aufgewachen ist - so konnte er für mich Souvenirs kaufen und hat dabei ganz automatisch als Verhandlungsbasis schon mal den Einheimischenpreis bekommen. Wobei mir handeln ja sehr viel Spaß macht, so ist es ja nicht :-)
Der französische Offiziershut vom Russlandfeldzug Napoleons war dann aber dennoch zu teuer.

Donnerstag, 3. April 2008

April, April!

Puh, momentan habe ich ziemlich viel zu tun - die neue Version für Heimanwender dürfte nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen, und da müssen natürlich ordentlich Marketingmaterialien bereitstehen, damit beim Start dann auch alles reibungslos klappt.
Aber ich will mich gar nicht beschweren, meine Arbeit macht mir wirklich Spaß, ich bin schon in der richtigen Abteilung gelandet :-)
Aufgelockert wird einem der ganze Arbeitsalltag durch die lieben Herren Kollegen, die alles tun, um sich gegenseitig zu motivieren und die Arbeit so angenehm wie möglich zu machen.
Unser Abteilungsleiter Alexey beispielsweise sah es als seine Pflicht als unser Vorgesetzter an, allen seinen Untergebenen laut kichernd die optischen Sensoren der Mäuse mit Post-Its zuzukleben, die er vorher mit einem aufmunternden "April, April!" versehen hatte.
Bloß gut, dass ich vor ihm da war und diesem Schicksal so entgangen bin, die Suche nach dem Fehler hat manchen wohl Kopfschmerzen bereitet:

Wie der eine oder andere vielleicht schon festgestellt hat, sind wir hier Peripherie-mäßig recht gut ausgestattet - von unseren lahmen Computern mal abgesehen.
Trotz der Tatsache, dass das Iphone in Russland offiziell gar nicht erhältlich ist, haben wir zum Beispiel die wahrscheinlich höchste Iphone-Dichte in Prozent der ganzen Firma - nachdem die Kollegen aus Amerika am Montag ankamen und prompt wieder als Kuriere herhalten mussten, hatten wir schon fast theoretisch ein Iphone pro Mann und Nase - wir sind zu siebt in unserer Abteilung, davon haben 4 Leute ein Iphone, Vanyas Ipod touch nicht mitgezählt.
Nachdem es hier scheinbar einen ganz gut funktionierenden Schwarzmarkt gibt, haben sich Vas und Alexey gleich noch ein Iphone mitbringen lassen, so dass wir nach Adam Riese auf 6 Iphones kamen - und Alexander sieht sich als Nutzer eines Windows-Betriebssystems plötzlich in der Minderheit - verkehrte Welt :-)
Ich weiß gar nicht ob man bei meinem alten Motorola überhaupt von einem Betriebssystem sprechen kann ;-)
Ich finde jedenfalls, es ist an der Zeit, dass wir von Apple eine Gewinnbeteiligung erhalten!

Viggy bewundert Vasilys brandneues 16GB-Iphone - er selbst hat ja nur
die poplige 8GB-Version, was ihn momentan in massive Sinnkrisen
stürzt...