Montag, 22. September 2008

Im Land des Schokoladenbieres

Tjaaaaa, aus Moskau bin ich ja leider schon länger wieder zurück...
Dafür ging's diesmal in die entgegengesetzte Himmelsrichtung, wenn auch nicht so weit: nach Antwerpen.
Statt alten Ladas gibt's hier alte Schiffchen, und statt Regalen voller Wodka hunderte von Biersorten.


Natürlich gibt's auch dazu einen Blog:
http://schokoladenbier.blogspot.com/
Freue mich auf Euren Besuch!

Dienstag, 22. April 2008

Good bye, Moskau!

Schluchz - heute war meine Abschlusspräsentation bei Kasperksy... Übermorgen geht es ja schon wieder in die Heimat, und am liebsten würde ich alle meine Kollegen mitnehmen ;-)
Es hat hier einfach so viel Spaß gemacht, und alle Leute waren sehr nett und offen und haben mich freundschaftlich aufgenommen und waren so etwas wie eine zweite Familie für mich. Und meine Präsentation sollte eine Art Dankeschön sein, bei der ich einen kurzen Überblick gegeben habe, warum ich nach Moskau gegangen bin und mit Hilfe von Fotos habe ich dabei illustriert, wie meine Erlebnisse hier so waren.
Davor hatten meine Kollegen aus dem Produktmanagement etwas Alkohol besorgt (damit kennen sie sich ja gut aus), und Christels Content Editors haben ein dickes Buffet inklusive Pizza aufgefahren :-)
Alexander hat dann noch einen Toast auf mich gehalten, den ich original nicht verstanden habe, weil er auf russisch war - aber Christel hat in für mich übersetzt, und in dem Moment hätte ich dann am liebsten mein Rückflugticket zerrissen und in den Müll geworfen...

Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich in meinem Praktikum sehr viel gelernt habe - zum einen habe ich natürlich im "klassischen" Sinne eines Praktikums sehr viele interessante Einblicke in die Bereiche Produkt Management und PR/Content Editing gewonnen.
Aber was meiner Meinung nach noch wichtiger ist, und was in dem Ausmaß wohl auch nur während eines Auslandspraktikums möglich ist, ist die persönliche Erfahrung, die ich gesammelt habe.
Mein Praktikum hier in Russland war in vielerlei Hinsicht ein sehr schönes, lehrreiches und sicher auch prägendes Erlebnis für mich, und dafür ein großes Dankeschön an alle, die mich vor und während meines Praktikums unterstützt haben :-)

Sonntag, 20. April 2008

Eine Bootsfahrt die ist lustig, eine Bootsfahrt die ist schön...

So, es liegt mal wieder ein abwechslungsreiches und anstrengendes Wochenende hinter mir - aber es war ja vorerst mein letztes in Moskau, und ich wollte noch einiges sehen - das habe ich auch geschafft, und bin ganz glücklich darüber :-)
Gestern habe ich mit André und einem russischen Freund eine kleine Bootstour auf der Moskwa gemacht. Das war sehr schön, weil man sehr nahe an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbeigetuckert ist, und ich konnte nochmal einige nette Fotos machen.Leider ist es im Moment ziemlich kalt und vor allem windig, und ich habe mich wohl total unterkühlt, jedenfalls war ich dann ziemlich fies krank hinterher, nachdem ich schon Freitagnacht auf dem Weg aus dem Büro klatschnass geworden bin - deswegen ist leider nichts aus unserem Plan geworden, abends nochmal die Stadt unsicher zu machen.
Dafür bin ich daheim geblieben und habe mit meinem Mitbewohner und zwei seiner Freunde eine typische russische Privatparty (zumindest hat man mir das versichert) gefeiert - man sitzt zusammen in der Küche und vernichtet möglichst große Mengen Alkohol. Zum Glück konnte ich behaupten, eine Medizin zu nehmen, bei der man nicht zuviel Alkohol trinken kann - auch russische Mägen scheinen gegen übermäßigen Genuss von Wein, Schnaps & Co nicht völlig resistent zu sein, jedenfalls war unser Klo ziemlich lange belegt in dieser Nacht. So lange den tollen Fliesen nichts passiert ist!

Heute war ich dann in sage und schreibe drei Galerien... Eine interessanter als die andere, und nachdem zwei davon Privatgalerien waren, gab es dort sogar englische Texte - wenn ich mir nicht drei Galerien angesehen hätte, hätte ich mir sonst einen Audioguide mitgenommen, das ist auf jeden Fall empfehlenswert - aber dazu hat mir dann eben leider die Zeit nicht gereicht.
Zuerst war ich im Staatlichen Puschkin-Museum - nicht zu verwechseln mit dem Puschkin-Museum der Bildenden Künste. Dieses erste Museum hat mir am besten gefallen - es gab Werke zahlreicher bedeutender russischer Künstler, zum Beispiel Kandinsky, aber auch viele westliche Maler - Monet, van Gogh oder Picasso beispielsweise. Habe mir auch einen (hoffentlich guten) Führer für dieses und noch ein anderes Museum gekauft - diese Führer sind hier sehr günstig, obwohl fast alle Bilder abgedruckt sind. Eines kostet um die7 bis 10 Euro, solange man nicht zum Monster-Bildband greift.
Als nächstes war ich in der Glasunow-Galerie. Glasunow ist ein zeitgenössischer russischer Künstler, und in seinen Gemälden verarbeitet er meist Themen wie Religiosität und Nationalismus - nicht unbedingt mein Geschmack, aber wenn man sich ein bisschen mit der russischen Geschichte beschäftigt hat, sind die Bilder doch sehr eindrucksvoll, und die Gemälde sind zum Teil wirklich enorm groß, und geben einen Abriss der russischen Geschichte wieder.
Als letztes war ich dann noch im Museum der Privatsammlungen. Wie der Name schon sagt, befinden sich darin die Sammlungen einiger Privatleute - die Stile und Epochen der Gemälde bzw. Werke sind dementsprechend sehr unterschiedlich. Moderne Kunst gab es leider relativ wenig, aber allein das Gebäude an sich fand ich schon sehr schön.
Danach war ich nach kurzem Abstecher zu McDonalds (Ja, ich weiß - ich tu's nie wieder!) noch mit André und russischen Freunden im Nikoulin-Zirkus - wir hatten Glück, weil wir Freikarten bekommen haben (Beziehungen machen's möglich ^^), sonst wären wir wohl umsonst am Eingang gestanden - es war kein einziger Platz mehr frei. Ich gebe zu, dass ich nicht der riesige Zirkus-Fan bin, aber gerade Akrobaten finde ich doch immer wieder faszinierend! Nur die armen Löwen haben mir leid getan, weil der fiese Dompteur sie immer mit der Peitsche angetrieben hat - aber der Arme hat halt noch nie bei Kaspersky gearbeitet und weiß nicht, dass Motivation auch anders funktionieren kann ;-)


Die Rückfahrt war dann wieder Mist, weil ich natürlich den letzten Zug um ca zwei Minuten verpasst habe und dann 40 Minuten in der Kälte stehen konnte. Aber wenigstens kann ich den miesen Zug ganz toll auf russisch verfluchen, immerhin ein Anfang :-)

Samstag, 19. April 2008

Sabotage!!

Dass der russische Fußball nicht unbedingt Weltklasse-Niveau hat, ist ja hinreichend bekannt - dass allerdings die Eishockey-Mannschaft spitze ist, ist auch den meisten bekannt. Konsequenterweise spielt man hier in Russland nicht Kicker, sondern Tablehockey. Ich bin ja der Meinung, dass unser Tablehockey-Spiel ein Geschenk der Konkurrenz ist - unmittelbar nach dessen Ankunft in unserem Büro ist die Produktivität nämlich mit enormer Geschwindigkeit in den Keller gegangen.
Alles fing damit an, dass am Mittwoch für Vassily ein Paket an der Rezeption ankam - als er dann freudestrahlend zurückkam, wurde er sofort von Vanya und Viggy umringt, und die drei machten sich gleich voller Eifer daran, das Tablehockey-Spiel aufzubauen.

Nachdem das Spiel hier in Russland wohl wirklich relativ populär ist, können die meisten meiner Kollegen auch ziemlich meisterhaft die Strippen ziehen und die Figuren übers Eis tanzen lassen - besonders Vassily und Alexander spielen sehr gut.
Ich bin mittlerweile auch nicht mehr ganz so unbeholfen, bekomme aber immer noch regelmäßig eins auf den Deckel - bin aber sehr stolz, mittlerweile habe ich schon meine ersten Spiele gewonnen!

Das Spiel ist relativ schwierig zu beherrschen, da jede Spielfigur eine andere "Schiene" hat, auf der sie sich bewegen kann - und insgesamt gibt es sechs Spielfiguren. Alleine bis man weiß welche Figur mit welcher Stange bedient wird, vergeht einige Zeit...
Aber sobald man das ganze etwas raus hat, macht es wahnsinnig viel Spaß, und man kann wirklich tolle Kombinationen machen - dumm nur, dass man ja eigentlich arbeiten sollte.

Montag, 14. April 2008

Parallelen zwischen bayerischer und russischer Politik oder Zwei Weltmächte auf Augenhöhe (fast)

Wow, heute habe ich einen richtig tollen Ausflug gemacht - dank meiner deutschen Kollegen Christel! Ihre Abteilung hatte heute nämlich ihre Team-Building-Activity, und ich durfte mitmachen, obwohl ich ja eigentlich zum Produktmanagement gehöre...
Diese Team-Building-Activity passt wie die Faust aufs Auge zu meinem Touristen-Programm, heute ging's nämlich in den Kreml - und zwar nicht irgendwohin auf den Kirchenplatz oder so, sondern richtig in den Großen Kremlpalast, der sonst für Besucher nur in Ausnahmefällen zugänglich ist (Delegationen etc.).

Das ist ein Archivfoto aus meinen umfangreichen Beständen...
Neben den Kirchen, ganz links, sieht man den Großen Kremlpalast.


Allerdings kommt man auch mit offizieller Einladung nicht so einfach rein, zunächst mussten wir zwei Metalldetektoren, eine Leibesvisitation (zumindest bei zwielichtig aussehenden Besuchern wie mir) sowie eine Passkontrolle durchlaufen - im Gegensatz dazu war die Einreise nach Russland ja ein Kinderspiel!
Nachdem wir die Sicherheitskontrollen schließlich alle passiert hatten, haben wir noch eine Sicherheitsanweisung bekommen - Handy aus, Kamera aus (leider!) und nur auf dem roten Teppich laufen! Letzteres lässt man sich natürlich nicht zwei Mal sagen :-)
Das mit dem Teppich hatte allerdings durchaus seine Bewandtnis - grundsätzlich stehe ich ja prunkvollen, möglicherweise auch noch barocken Sälen in Schlössen etc. eher negativ gegenüber (einfach nicht mein Stil), aber hier... Ich war wahnsinnig beeindruckt! Jedenfalls gab es hier Parkett, der noch im Originalzustand von 1848 war, und glänzte als wäre er gestern verlegt worden - und dass er aus bis zu 19 verschiedenen Holzsorten bestand, hat diesen Eindruck nur noch verstärkt...
Die zahlreichen Säle an sich waren dann jeder schon sehr sehenswert und erreichten gigantische Ausmaße - es ist schwer zu beschreiben, es war wirklich enorm sehenswert und sehr eindrucksvoll...
Kein Wunder, dass auch heute noch alle wichtigen Staatsempfänge und Banketts in diesen Räumlichkeiten abgehalten werden!


Nachdem jetzt wieder der Bilder-Upload funktioniert, hier noch ein kleiner Nachtrag zu meinem Ausflug am Samstag:

Nachdem ich hier ja bereits in der Vergangenheit Opfer von terroristisch motivierten Verbrechen geworden bin, hat es mich gefreut zu sehen, dass die Täter mit voller Härte bestraft werden. Eigentlich finde ich ja, dass öffentliches Zurschaustellen à la Pranger der Vergangenheit angehören sollte, aber manchmal muss man einfach zu extremen Maßnahmen greifen.
Führende Innenpolitiker der Partei der bayerischen Erbmonarchie CSU werden mir bestimmt zustimmen, wenn ich der Meinung bin, dass schon gegen jugendliche Straftäter keine Milde gezeigt werden darf.
Ich bin deshalb dafür, auch in Deutschland die Bestrafung renitenter Jungkrimineller durch öffentliche Ächtung einzuführen, wie sie hier in Russland praktiziert wird:

Das schreckliche Vergehen, das zu dieser harten, aber gerechten Strafe geführt hat: öffentliches Tragen folgenden Kleidungsstücken, die jeglichen ethischen Grundsätzen entgegenlaufen und die Grenzen des guten Geschmacks gleichsam planieren:
Ich war nämlich am Samstag beim Allsowjetischen Ausstellungszentrum (wir berichteten), in dem wohl heutzutage nicht mehr die Errungenschaften des Sozialismus ausgestellt sind, sondern alter Plunder, der von einem Dachboden zu stammen scheint...
Jedenfalls sind einige Leute tatsächlich blöd genug, 60 Rubel dafür zu bezahlen (willkommen im Club, Johannes), sich dann irgendwelchen Krimskrams anzuschauen, der lieblos auf den Boden geschmissen ist - aber dafür ist das ein Museum zum anfassen, und man kann wahrscheinlich neben der Anprobe toller Kopfbedeckungen auch gleich kostenlos eine reichhaltige Sammlung süßer Kopfläuse erwerben!

Abgesehen von dieser lustigen Ausstellung war das ganze Gelände sehr verlottert - der Stil der Gebäude hat mir zwar nicht gefallen, aber es wurde definitiv eine Menge Arbeit hereingesteckt, von dem her finde ich es etwas schade, dass die Baulichkeiten so verfallen.
Abgesehen von den drakonischen Maßnahmen gegen Schlimmfinger ist die russische Politik der bayerischen mal wieder erstaunlich näher - ich mein jetzt nicht nur im Hinblick auf Wahlen, sondern vor auch in Bezug auf Fortschrittsgläubigkeit.
Wobei Russland hier schon mal ein Führung gegangen ist, während sich King Edmund noch vergeblich mit nervigem Gschwerl wie Bürgern oder Staatshaushalten abplagen musste. Hier gibt es nämlich schon eine Art russischen Transrapid... Ich bin noch zum krönenden Tagesabschluss mit besagter Monorail gefahren, obwohl das rein zeitökonomisch total dämlich war, weil die Metro um ein vielfaches schneller ist. Aber ich wollte es halt einfach machen. Also bin ich direkt in den Hauptbahnhof eingestiegen und...
Naja, ich übertreibe, es war nicht direkt ein Transrapid, aber die Fahrt war etwas teurer, der ganze Pöbel musste draußen bleiben, und man war endlich unter sich. Man konnte also während der quälend langsamen Fahrt (wie gesagt, not exactly Transrapid) gehobenen bürgerlichen Kreisen auf den Füßen rumtrampeln, und das vor wunderschönen, romantisch verrauchten Industriefassaden, die am Fenster vorbeiglitten.
Beeindruckender fand ich da noch das Denkmal, das drei Jahre nach Gagarins Weltraumausflug beim Allsowjetischen Ausstellungszentrum errichtet wurde:

Ganz oben thront eine Rakete, die von einem riesigen Schweif befeuert gen Himmel rast - find ich eine tolle Idee und ist meiner Meinung nach toll umgesetzt!

Sonntag, 13. April 2008

Das Phantom-Kloster

Nein, nein, ohne Foto-Upload ist das einfach nicht das selbe - manchmal sagen Bilder eben einfach mehr als tausend Worte, wie man so schön sagt. Aber nichts zu machen, ich bekommen einfach keine Bilder mehr auf den Blogger-Server!
Naja, jedenfalls war ich heute ganz fleißig unterwegs - und ich hatte es mir fest zum Ziel gesetzt, endlich in die Kreml-Waffenkammer zu gehen. Was gar nicht so einfach ist, denn Einlass ist nur alle zwei Stunden - und das Ticket kann man nur genau 45 Minuten vorher kaufen. Warum das so ist, und warum man zwischen Kauf und Einlass zu Untätigkeit verurteilt ist, konnte oder wollte mir auch die Dame an der Kasse nicht sagen... Jedenfalls war ich für den Einlass um 12:30 pünktlich an der Kasse, aber die Karten waren schon ausverkauft, obwohl ich der zweite in der Schlange war - hallo!?
Ich habe mir dann geschworen, noch einen Versuch zwei Stunden später zu starten, und bin in der Zwischenzeit ins Historische Museum am Roten Platz gegangen - das war sehr interessant, es gab dort viele erstaunlich gut erhaltene Fundstücke aus verschiedenen Epochen. Leider auch hier - wie in den meisten russischen Museum - nur Fragmente englischer Beschreibungen, wenn überhaupt. Aber mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt, und ein bisschen was verstehe ich - aber es dauert aufgrund der Schriftzeichen einfach viel zu lang, das zu lesen :-(
Mein nächster Anlauf am Ticket-Office war dann endlich endlich erfolgreich - auch wenn ich ca eine halbe Stunde anstehen musste dafür, weil mittlerweile auch viele Touristen eingetrudelt sind... Aber insgesamt hält es sich immer noch im erträglichen Rahmen, die meisten Besucher gerade auch in Galerien sind immer noch Russen, und das ändert sich wohl auch erst nach den Maifeiertagen.
In der dann doch recht knappen Wartezeit zwischen Kartenkauf und Einlass bin ich dann noch schnell zum GUM-Kaufhaus gehetzt, um mir da ein Eis zu kaufen - war auch ganz lecker, aber war halt kein echtes italienisches Eis ;-)
Die Waffenkammer selbst hat mich jetzt nicht sooo vom Hocker gehauen - was interessant war, waren die Kleider aus der Zeit. Man fragt sich, wo bei manchen Kleidern mit Wespentaille denn die inneren Organe bitte Platz haben sollen, viel mehr als die Wirbelsäule dürfte da nicht drin sein... Und das auch noch, wo die Leber doch eh schon vom vielen Alkohol so malträtiert sein dürfte!
Im Anschluss wollte ich dann noch ein Kloster gehen - also als Tourist, nur dass hier jetzt keine falschen Vorstellungen aufkommen ;-)
Jedenfalls wäre auch meine Klosterbruder-Karriere genauso wie meine touristischen Ambitionen daran gescheitert, dass das Kloster nicht da war, wo es laut Karte sein sollte... Bevor ich jetzt hier zum Navigationsamateur erklärt werde: nachweislich war ich genau in der richtigen Straße (leider leider kann ich ja keine Bilder mit Straßenschildern hochladen), aber mein halbstündiger Fußmarsch (einfach) war leider nicht von Erfolg gekrönt. Dafür bin ich durch einen richtig schönen Hinterhof-Slum marschiert und hab mit einer richtig süßen Katzen (und im gleichen Zug vermutlich einer Brigade Flöhe) Bekanntschaft gemacht, und alleine deshalb hat sich der Weg ja eigentlich schon gelohnt!

Mal wieder in eigener Sache

Normalerweise bin ich ja kein Freund von Verschwörungstheorien, aber hier haben sich mit Sicherheit finstere Mächte gegen mich verbündet:
- mein Mobilfunkprovider kann keine SMS mehr nach Deutschland verschicken. Grund unbekannt.
- unsere Internetverbindung war auch schon mal definitiv stabiler, gerade abends fliegen wir hier öfters immer wieder raus
- und, was das Schlimmste ist: bei Blogger kann man zur Zeit keine Bilder zu den Posts hinzufügen; und einen Post ohne Bilder finde ich ja mal richtig langweilig! Hoffentlich bekommen die Jungs das bald wieder in Griff, ich hab doch so schöne Fotos ;-)

Mittwoch, 9. April 2008

Verlegene Schatten in der Servicewüste

Argh, heute habe ich mal wieder Bekanntschaft mit der russischen Dienstleistungsgesellschaft gemacht - wenn jemand von der "Servicewüste" Deutschland spricht, sollte er vielleicht einmal eine Woche in Russland verbringen ;-)
Eigentlich wollte ich ja nur noch schnell auf dem Heimweg einkaufen. Grundsätzlich ja kein Problem, da die meisten Geschäfte hier in Russland sehr lange geöffnet haben. Nur leider halten sich die Angestellten scheinbar nicht an die ausgeschriebenen Öffnungszeiten...
Jedenfalls hat der Supermarkt in unserem Stadtteil von 9 bis 22 Uhr geöffnet (theoretisch). Ich hatte Glück, ich kam nämlich um 21:45 an - zwei Minuten, nachdem ich drin war, wurde die Türe verschlossen. Für jeden Kunden, der den Laden verließ, wurde die Tür extra aufgesperrt - sonst könnte ja jemand auf die Idee kommen, einfach reinzugehen und womöglich noch etwas zu kaufen! Glücklicherweise konnte das durch diese drastische, aber angemessene Maßnahme erledigt werden.
Zumindest an Personalmangel scheint es nicht zu mangeln, jedenfalls springen zu jeder Tageszeit mindestens zwei Leute in schäbigen Anzügen rum, die potentiellen Taschendieben auf die Finger schauen. Ich scheine besonders verdächtig zu sein, jedenfalls habe ich oft einen Schatten, der sich sehr leicht überrumpeln lässt, wenn man abrupt die Richtung wechselt und der dann verlegen Damenbinden oder eben das nächstgelegene Regal inspiziert.
Wahrscheinlich werde ich deshalb so oft verfolgt, weil ich immer mehrmals schmunzelnd an dem wertvollen Finlandia vorbeigehe, der hier sehr teuer ist und entsprechend in einer Vitrine vor Langfingern weggesperrt ist - die 0,5 Liter Flasche übrigens.
Glück hatte ich auch, denn die Kühlregale waren ausnahmsweise gut gefüllt. Dass das nicht immer der Fall ist, hängt wohl weniger mit Warenmangel als vielmehr mit mangelhafter Logistik zusammen. Aber wie gesagt, ich habe heute eigentlich alles bekommen - sogar schwarze Schuhcreme, nachdem meine deutsche sich hier im russischen Staub sehr schnell dem Ende geneigt hat. Ich hoffe, dass meine Schuhe die Behandlung mit dieser ausgewogenen Mixtur mit verschiedenen Bienenwachsen (das verspricht zumindest die Verpackung) wohl überstehen werden...
Die nächste Hürde war dann die Kasse. Nachdem ich drüber nachgedacht habe, verstehe ich auch, warum das Geschäft so früh zugesperrt hat. Würden um 22 Uhr noch drei Kunden an der Kasse anstehen, müsste das gesamte Personal ewig Überstunden schieben, weil die guten Menschen im Schneckentempo abgefertigt werden...
Bei den ersten ein oder zwei Damen an der Kasse habe ich gedacht, dass sie vielleicht Arthritis haben, so langsam und vorsichtig haben sie die Waren vor den Scanner gezogen. Da aber nicht ALLE russischen Kassiererinnen Arthritis haben können, bin ich mittlerweile der Überzeugung, dass größtmögliche Langsamkeit schlichtweg zum Berufsethos gehört.
Die Dame an der Kasse heute hatte jedenfalls für die drei Leute vor mir ca 10 bis 15 Minuten gedauert - was noch zusätzlich verlängert wurde durch den Streit, den sie mit einem Kunden vom Zaun gebrochen hat, weil er nämlich die falsche Sorte Bier gekauft hat. Ich habe nicht verstanden, warum die Sorte falsch war, aber jedenfalls hat die Kassiererin gebockt und hat das Bier unter dem Fließband versteckt, was dann zu einem furchtbaren Kasperltheater um die Flasche Bier geführt hat...
Anscheinend habe ich die richtige Sorte gekauft, oder meine mittlerweile mit Sicherheit katastrophalen Leberwerte kann man nicht in meinem Gesicht erkennen, jedenfalls habe ich meine Flasche Wodka bekommen, ohne mit meinem deutschen Pass wedeln zu müssen - was manchmal wahre Wunder wirkt (aber auch gehörig nach hinten losgehen kann).

Dienstag, 8. April 2008

Pickelhaube? - ja bitte, get it back!

Oh nein, wie konnte ich das nur vergessen - eigentlich wollte ich ja gestern noch ausführlich von den Fähigkeiten der russischen Bevölkerung zur Improvisation berichten!
Macgyver würde hier nämlich vor Neid erblassen - besonders in Sachen Alkohol und Einfallsreichtum treffen zwei Faktoren zusammen, die jedermann zu pragmatischen Höchstleistungen treiben, über die ich immer nur staunen kann.
Gestern beispielsweise hat mir Alexey von ca. 25 verschiedenen Varianten berichtet, wie er sein Motorrad in Jugendzeiten verwendete, um Weinflaschen zu öffnen. Auf die Frage, wie man denn in Deutschland Weinflaschen ohne Korkenzieher oder ähnliches Werkzeug entkorkt, konnte ich spontan nur hilflos vor mich hinstottern - Asche über mein Haupt!
Wie gesagt, in Russland löst man solche Probleme sehr schnell und pragmatisch, schließlich will man ja seinen Wein dann auch genießen. Keine Gläser da? - Kein Problem, schließlich hatte Alexeys Motorrad ja vier Blinker, die man allesamt abschrauben und für Saufgelage geplegte Konversationen bei Rotwein zweckentfremden kann...
Wesentlich weniger pragmatisch veranlagt sind viele Menschen, wenn es darum geht, Konversationen zu führen - neulich hatte jemand am Bahnhof spitzbekommen, dass ich Ausländer bin (was ja auch an meiner englischsprachigen Zeitung recht einfach zu erkennen war) - unbeugsam von dem Gedanken überzeugt, der englischen Sprache mächtig zu sein, wollte der gute Mann daraufhin nicht nur während den zwanzig Minuten Wartezeit auf den Zug, sondern auch noch während der Zugfahrt selbst mit mir englisch parlieren, was aber leider daran scheiterte, dass sich die meisten von ihm verwendeten "englischen" Wörter zu einhundert Prozent von sämtlichen mir bekannten englischen Ausdrücken unterschieden - um genau zu sein, er sprach russisch und war der festen und unbeirrbaren Überzeugung, englisch zu sprechen.
Nachdem ich am Anfang wirklich versucht hatte, ihm ein bisschen Freude zu machen und ein bisschen Konversation zu führen, gab ich irgendwann resigniert auf, was aber meinen Begleiter nur zu neuen Wortkaskaden veranlasste - ich war dann wirklich froh, als endlich der Zug kam, und er mit seiner Zigarette im Raucherabteil stehen bleiben musste... Nachdem ich dann durch den halben Zug gelaufen bin, war ich froh, ihn endlich los zu sein - dumm nur, dass man in so einem Zug nur in eine Richtung flüchten kann, denn einige Minuten später blitzte schon wieder das selige Grinsen meines neuen Freundes neben mir auf.
Ich kauf mir doch eine Pickelhaube, damit jeder weiß dass ich Deutscher bin und keinerlei andere Sprachen spreche und außerdem ganz ruppig und gemein bin. Dann hab ich wenigstens meine Ruhe, und einen Blitzableiter noch dazu.

Montag, 7. April 2008

Bauliche Unzulänglichkeiten moderner Gebäude beim Transport von floristischen Großgebinden

Heute stand mal wieder ein Geburtstag auf dem Programm - und zwar der von Olga aus der PR-Abteilung. Klar, dass da wieder Alkohol in Strömen fließen musste - obwohl die eigentliche Geburtstagsfeier wann anders stattfinden soll, woran ich mich immer noch nicht so ganz gewöhnt habe ;-)
Ich lehne aber mittlerweile immer standhaft ab, schließlich habe ich nicht einmal gestern auf dem Schwarzmarkt eine Leber gesehen, und in Deutschland sind die Dinger ja auch nicht grade zu Spottpreisen zu haben.
Neben meinen persönlichen Erfahrungen habe ich mittlerweile auch tonnenweise Bildmaterial, mit dem man ganze Anti-Alkoholiker-Bibel ausstaffieren könnte...
Beispielsweise meine lieben Kollegen auf unserem letzten inoffiziellen "Betriebsausflug" in eine hiesige Spelunke:Aber abgesehen von Alkohol hat Olga heute auch einige andere Geschenke bekommen - enormer Beliebtheit erfreuen sich hier Blumensträuße, an jeder Metro-Station gibt es durchschnittlich schätzungsweise zwei bis drei davon. Man sieht dann auch immer Menschen jeden Alters und Geschlechts mit einem Strauß Blumen herumlaufen - interessant wären die Preise, aber darüber bin ich leider überhaupt nicht informiert.
Am Frauentag kam man sich dann in der Metro vor wie in einem Tulpenfeld - und Olga hat heute auch Blumen aus ca fünf verschiedenen Abteilungen bekommen... Wir haben ihr dann geholfen, die Sträuße ins Auto zu tragen, und ich wünschte, dass ich ein Foto davon hätte: Olga ging mit ihrer Handtasche voran, hinter ihr trotteten ergeben drei Mann, die Hände voll mit zum Teil gigantischen Blumenbouquets - bis unsere kleine Kolonne dann von den räumlichen Realitäten eingeholt wurde, als es hieß, den Fahrstuhl zu entern...
Zusätzlich zu der maximalen Tragfähigkeit an Personen und Gewicht sollte man vielleicht die Höchstanzahl Blumensträuße angeben!

Samstag, 5. April 2008

Design-Telefone made in Russia

Nachdem ich schon sowohl die Neujahrsfeier von Kaspersky Lab als auch die Geburtstagsparty verpasse, war ich richtig glücklich, dass zumindest eine große Veranstaltung in den Zeitraum meines Aufenthalts fiel: am Freitag war die Jahresversammlung von Kaspersky Lab.
Ich habe mir von der Veranstaltung im Vorfeld viele neue Informationen versprochen - meine Kollegen sahen das zum Teil ganz anders und stimmten lautstarke Wehklagen über einen verlorenen Arbeitstag an. Dass sie es mit ihren Gefühlen wirklich ernst meinen, begriff ich erst so richtig, als sich Alexander für die Busfahrt zur Akademie der Wissenschaften rüstete:
Die Busfahrt war dann auch wirklich grauenhaft - wir saßen schön fest im Moskauer Verkehr, und nach einer Stunde Feinstaubpenetration ist meine Lunge wahrscheinlich so schwarz wie der Landtag in Bayern.
Die Akademie der Wissenschaften alleine entschädigte aber schon für die Odyssee durch Moskau - scheinbar konnten Architekten auch zu Sowjet-Zeiten auf chemische Substanzen zurückgreifen, die ihnen halfen, ihre Kreativität voll zu entfalten...
Die Veranstaltung war dann allen Unkenrufen meiner Kollegen zum Trotz dennoch recht interessant - auch wenn die Simultanübersetzung nach einiger Zeit recht ermüdend wurde.
Aber ich war ja froh, dass es sie gab :-)

Gestern war ich dann mit André im Revolutionsmuseum - dort gibt es Exponate in grob nach Jahrzehnten unterteilten Räumen, es geht ungefähr zur Zeit des Wiener Kongresses los und endet in der Neuzeit. Genau diese Art von Museum wollte ich unbedingt sehen, und durch Zufall habe ich es in meinem Reiseführer entdeckt - und ich habe den Besuch nicht bereut, es war wirklich sehr interessant!

Ha! Wenn das nicht Prinzessin Leias Blaster aus Star Wars ist!


Auch wenn ich wieder fast rausgeflogen wäre, weil ich verbotenerweise fotografiert habe. Und ein kleines bisschen den Alarm ausgelöst habe.
Aber ich wollte euch das tolle Hammer- und Sicheltelefon nicht vorenthalten:
Viel besser als ein ordinäres Iphone ;-)

Und heute war ich mit Sergej, dem Sohn meiner deutschen Kollegin Christel, auf einem Markt - neben echt gefälschten Armani-Jeans gibt es dort alles, was das Touristen-Herz begehrt... Das Praktische ist, dass der Markt relativ weit außerhalb ist, und die Souvenirs somit deutlich billiger als in der Stadtmitte, beispielsweise auf dem Arbat, sind.
Neben den üblichen Matrushkas, Fabergé-Eiern etc. kann man dort auch allerhand Militaria kaufen - besonders beliebt sind beispielsweise russische Uniformen aus Zeiten der Sowjet-Union oder deutsche Ausrüstungsgegenstände aus dem Zweiten Weltkrieg.
Mit politischer Korrektheit müht man sich dabei nicht lange ab - vom Eisernen Kreuz über den Stahlhelm bis zum SS-Dolch bekommt man da wirklich alles...
Ich habe der Versuchung widerstanden, mein Arsenal an Defensivwaffen auszubauen, und habe mir die Kalashnikov NICHT gekauft - wobei bei einer derartigen Armierung die Bedrohung durch lästige Taschendiebe im Zug wohl rapide schrumpfen würde!
Hätte ich mir dann auch noch eine Pickelhaube und eine russische Generalsuniform gekauft, dann hätte sich bestimmt kein Terrorist mehr in die Nähe des Zuges gewagt.
Sher zugute kam mir, dass Sergej zweisprachig (russisch und deutsch) aufgewachen ist - so konnte er für mich Souvenirs kaufen und hat dabei ganz automatisch als Verhandlungsbasis schon mal den Einheimischenpreis bekommen. Wobei mir handeln ja sehr viel Spaß macht, so ist es ja nicht :-)
Der französische Offiziershut vom Russlandfeldzug Napoleons war dann aber dennoch zu teuer.

Donnerstag, 3. April 2008

April, April!

Puh, momentan habe ich ziemlich viel zu tun - die neue Version für Heimanwender dürfte nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen, und da müssen natürlich ordentlich Marketingmaterialien bereitstehen, damit beim Start dann auch alles reibungslos klappt.
Aber ich will mich gar nicht beschweren, meine Arbeit macht mir wirklich Spaß, ich bin schon in der richtigen Abteilung gelandet :-)
Aufgelockert wird einem der ganze Arbeitsalltag durch die lieben Herren Kollegen, die alles tun, um sich gegenseitig zu motivieren und die Arbeit so angenehm wie möglich zu machen.
Unser Abteilungsleiter Alexey beispielsweise sah es als seine Pflicht als unser Vorgesetzter an, allen seinen Untergebenen laut kichernd die optischen Sensoren der Mäuse mit Post-Its zuzukleben, die er vorher mit einem aufmunternden "April, April!" versehen hatte.
Bloß gut, dass ich vor ihm da war und diesem Schicksal so entgangen bin, die Suche nach dem Fehler hat manchen wohl Kopfschmerzen bereitet:

Wie der eine oder andere vielleicht schon festgestellt hat, sind wir hier Peripherie-mäßig recht gut ausgestattet - von unseren lahmen Computern mal abgesehen.
Trotz der Tatsache, dass das Iphone in Russland offiziell gar nicht erhältlich ist, haben wir zum Beispiel die wahrscheinlich höchste Iphone-Dichte in Prozent der ganzen Firma - nachdem die Kollegen aus Amerika am Montag ankamen und prompt wieder als Kuriere herhalten mussten, hatten wir schon fast theoretisch ein Iphone pro Mann und Nase - wir sind zu siebt in unserer Abteilung, davon haben 4 Leute ein Iphone, Vanyas Ipod touch nicht mitgezählt.
Nachdem es hier scheinbar einen ganz gut funktionierenden Schwarzmarkt gibt, haben sich Vas und Alexey gleich noch ein Iphone mitbringen lassen, so dass wir nach Adam Riese auf 6 Iphones kamen - und Alexander sieht sich als Nutzer eines Windows-Betriebssystems plötzlich in der Minderheit - verkehrte Welt :-)
Ich weiß gar nicht ob man bei meinem alten Motorola überhaupt von einem Betriebssystem sprechen kann ;-)
Ich finde jedenfalls, es ist an der Zeit, dass wir von Apple eine Gewinnbeteiligung erhalten!

Viggy bewundert Vasilys brandneues 16GB-Iphone - er selbst hat ja nur
die poplige 8GB-Version, was ihn momentan in massive Sinnkrisen
stürzt...

Sonntag, 30. März 2008

Gelten Museumskarten als offizielles Währungsmittel!?

Wow, ein ganzes Wochenende voller Kultur liegt hinter mir, und ich bin total platt - Bildung ist halt kein Zuckerschlecken!
Gestern mittag bin ich zunächst einmal in Richtung Roter Platz gefahren, und bin wegen dem tollen Wetter entlang der Moskwa gegangen... War wirklich toll, es war praktisch kein Wölkchen am Himmel zu sehen, und entsprechend war es auch richtig voll am Roten Platz. Also schlechte Chancen, um Lenin anzugucken, der aber eh komische Öffnungszeiten hat - ab 13 Uhr ist nämlich Mittagsruhe, und dann bleibt der Laden dicht, er ist ja schließlich nicht mehr der Jüngste.
Pech für die Hochzeitsgesellschaft, die bestimmt extra wegen ihm zum Roten Platz gefahren ist... Dabei mussten sie mit Sicherheit ewig suchen, bis sie endlich einen Parkplatz gefunden haben:

Und bis dann alle Leute wieder eingestiegen sind! Zum Glück muss der Fahrer hierzulande nicht auch noch darauf achten, dass alle Leute angeschnallt sind...
Ich bin dann ein ganzes Stück an der Moskwa entlang gegangen und habe viele tolle Fotos gemacht *mitdemZaunpfahlwink*, bis ich dann nach einem kleinen unfreiwilligen Unweg zur Zweigstelle für moderne Kunst der Tretjakow-Galerie gekommen bin. Das Gebäude ist umgeben von einem Park, in dem wetterfeste Skulpturen untergebracht sind (und solche, die man seinen Gästen nicht unbedingt zeigen will, zum Beispiel Stalin-Statuen). Um allerdings den Garten betreten zu können, muss man erst mal Eintritt zahlen, allerdings nur 20 Rubel, umgerechnet ca 50 Cent, also sehr überschaubar.Als ich jedoch die Dame an der Kasse freundlich darauf hingewiesen habe, dass die 50 Rubel Rückgeld und die Eintrittskarte für 20 Rubel nicht ganz dem Gegenwert meiner 100-Rubel-Note entsprächen, mit der ich bezahlt hatte, habe ich sehr schnell begriffen, dass ich es mit einer Veteranin des sowjetischen Dienstleistungssektor zu tun hatte. Nachdem ich ihre Beschimpfungen einfach nicht verstehen wollte, habe ich dann unter lauten Flüchen eine weitere ganze sowie eine halbe Eintrittskarte im Wert von 20 Rubel erhalten. Vor so viel Einfallsreichtum (und weil ich so lachen musste), habe ich dann doch den Hut gezogen und habe dafür auf allen Wegen für 2,5 Personen gestampft, um meinen Eintritt wieder wettzumachen.Aber abgesehen von dieser kleinen erheiternden Episode war ich wirklich begeistert von der Tretjakow-Galerie für moderne Kunst - sowohl der Skulpturenpark als auch die Ausstellung im Gebäude selbst ist wirklich sehr empfehlenswert, wer in Moskau ist und Zeit hat, sollte sich die Ausstellung auf keinen Fall entgehen lassen!

Nach der Tretjakow-Galerie war ich dann noch mit zwei Russen bei der Lomonosow-Universität - die ist in einer der "Sieben Schwestern" untergebracht, den Stalin'schen Monumentalwolkenkratzern, von denen ich bereits früher geschrieben hatte. Das Gebäude ist wirklich sehr beeindruckend, wahnsinnig groß und auch sehr düster...
Allerdings liegt die Lomonosow-Universität auf einer Erhebung, und vom sogenannten Sperlings-Hügel hat man einen tollen Blick auf ganz Moskau. Ich habe ein paar Fotos gemacht; nachdem es aber schon Nacht war, sind die wahrscheinlich nicht sehr beeindruckend geworden :-(

Heute war ich dann außerdem noch im Park Pobedy, wo neben einer ausgedehnten Parkanlage auch noch ein Monument zu Ehren der Gefallen des "Großen Vaterländischen Krieges" (2. Weltkrieg) sowie ein Armeemuseum untergebracht sind.Da das Wetter auch heute wundervoll war, hat sich das Monument natürlich in seiner ganzen Pracht dargelegt - außerdem gab es im Park auch noch ein Freilichtmuseum, in dem Waffen und Fahrzeuge vor allem der sowjetischen Armee ausgestellt sind. Die Museen fand ich jetzt persönlich nicht besonders gut; allerdings kommt gerade in den Ausstellungen über den Zweiten Weltkrieg Deutschland verständlicherweise nicht besonders gut weg - zweifelsohne zu Recht, allerdings kommt noch ein extremer patriotischer Pathos in den Schilderungen dazu, und meiner Meinung nach ist die Bezeichnung "Museum" unangemessen. Aber gut, es ist ja schließlich ein Monument für die russische Armee mit eingebautem Museum, von dem her sind die sehr emotionalen Texte verständlich.
Sehr geschickt übrigens die Taktik der russischen Armee, ausrangierte Panzer als Klettergerüst zur Verfügung zu stellen:Die lieben kleinen lernen dann sehr schnell, mit ungebetenen Gästen umzugehen:Und das alles nur, weil ich versucht habe, mir einen kleinen Waggon auszuleihen.

Samstag, 29. März 2008

"Now we'll show you what German sausages really taste like" - Von einem tollen Abend in einer Moskauer Gaststätte

Ich muss sagen, ich habe meine Entscheidung, nach Moskau zu kommen, bisher noch kein bisschen bereut - wie sonst sollte ich auch die Errungenschaften der deutschen Küche schätzen lernen!?
Ich spiele damit jetzt nicht etwa auf die Qualität der kulinarischen Versorgung in der Kantine an, die ist nämlich durchaus akzeptabel, wenn auch auf Dauer etwas eintönig. Nein, meine netten Kollegen von Kaspersky haben mich gestern in ein Restaurant geschleppt, das bayerische bzw. deutsche Spezialitäten serviert - das eine oder andere Schmunzeln garantiert inklusive.

Wie in einem typischen deutschen Restaurant stand zum Beispiel auch hier auf jedem Tisch ein zünftiger Bierkrug, dessen Schaumkrone sich allerdings wacker den Gesetzen der Physik entgegenstemmte, und vermutlich schon so manchen gestrandeten Trinker in Grübeleien über Sinn und Unsinn der Gravitation gestürzt hat.

Natürlich gab es zum Essen dann leckere deutsche Würstchen mit Sauerkraut (und saurer Gurke!?) - ich habe mich allerdings bei der Identifikation auf der Speisekarte etwas schwer getan, da die Würstchen nämlich nicht etwa mit Namen versehen waren, sondern mit laufenden Nummern - aber in Deutschland hat ja bekannterweise alles seine Ordnung, deshalb ist dieses Vorgehen ja auch nur konsequent.

Nachdem ich ja auch in Sachen Wodka bisher meinen Kopf durchsetzen konnte, habe ich auch dieses Mal auf einer russischen Mahlzeit bestanden, und habe dann auf Anraten meiner Kollegen Schwarzbrot mit Knoblauch-Soße bestellt. Ich muss ja ganz ehrlich zugeben, dass ich im Vorfeld etwas skeptisch war, aber als ich das dann gegessen habe - das hat wirklich super geschmeckt :-)
Ich muss mal schauen, ob man dafür ein Rezept bekommt, im Internet habe ich bisher leider vergeblich danach gesucht!

Von links nach rechts: Timur, Vas, meine Wenigkeit, Alexey und
Olga

Donnerstag, 27. März 2008

Japanischer Whiskey im russischen Frühling

Wie ich gehört habe, herrschen ja in Deutschland immer noch etwas winterliche oder doch zumindest unangenehme Zustände - hier in Moskau dagegen kommen so langsam Frühlingsgefühle auf, nachdem diese Woche angeblich schon Wärmerekorde gebrochen wurden, und zumindest heute waren Wolken am Himmel ein ziemlich seltener Anblick, und die Sonne hat freundlich-warm auf uns heruntergeschienen - zumindest sah es vom Bürofenster aus so aus.
Die nächsten Tage soll es einigen Unkenrufen zufolge ja wieder schlechter werden, aber ich habe mich auf eine strikte Verweigerungshaltung eingeschworen und habe die Winterjacke zugunsten meines Jacketts ausgetauscht, wenn auch derzeit noch in Verbindung mit Schal.
Heute kam dann auch glücklicherweise die neue Digitalkamera, und ich muss sagen, dass ich von der Schnelligkeit der Lieferung wirklich beeindruckt bin - gestern um 17:00 Uhr bestellt, heute um 11:00 Uhr geliefert, da kann man wirklich überhaupt nicht meckern!
Sie macht auch ganz gute Bilder, wobei ich natürlich noch viele viele Testbilder machen muss, bis ich ein abschließendes Urteil abgeben kann ;-)
Heute standen wieder mal gleich mehrere Geburtstage auf dem Programm - gleich gegenüber unseres Büros sind die Content Editors untergebracht, die aus den unterschiedlichsten Ländern kommen, was für eine ganz besondere Arbeitsatmosphäre sorgt. Zwei der Mitarbeiter dieser Abteilung hatten heute wie gesagt Geburtstag gefeiert, und auch in einer anderen Abteilung gab es eine Feier, aber man kann sich ja nicht zerreißen ;-)

Alle machen Party, nur Alla arbeitet brav vor sich hin :-)

Da Miho Japanerin ist, hat sie für ihre Geburtstagsfeier natürlich massenhaft japanische Spezialitäten besorgt - wie Sushi, Essstäbchen und auch japanische Getränke. Ich wusste nicht, dass es spezielles japanisches Bier gibt, aber es hat eigentlich ganz gut geschmeckt, und vor allem die Flasche war sehr interessant: sehr hoch und fast filigran, wirklich witzig. Außerdem gab es japanischen Whiskey... Jeremy aus Tennessee hat aber behauptet, dass der natürlich gegen echten Jack Daniels nur ein müder Abklatsch war - was unser Ire allerdings spitzbekommen hat, und schon war die schönste Diskussion im Gange, welcher 20-jährige Whiskey am besten ist.

Vas hat schon ganz für sich alleine entschieden, dass sein Herz
alleine Jack Daniels gehört.

Mittwoch, 26. März 2008

1:0 für das Terroristengesocks

Heute muss mein Blog leider ohne Fotos auskommen - nachdem ich in meiner maßlosen Arroganz naive Witzchen über die latente Bedrohung durch Extremisten gerissen habe, wurde mir von einem dieser elenden Terroristen natürlich prompt gestern morgen im Zug die Digitalkamera gestohlen. Die natürlich nicht mal mir selbst gehörte, sondern von meinem Mitbewohner geliehen war.
Im allgemeinen Sardinenspielen auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit hat jemand das Gedränge schamlos ausgenutzt, um mich armen, arglosen Kulturbotschafter um das geliebte Spielzeug zu berauben - ich bin zutiefst entrüstet! Vermutlich wird die Kamera auf dem Schwarzmarkte verkauft, um damit den Dschihad gegen die russische S-Bahn zu finanzieren...
Jedenfalls spiele ich jetzt mit dem Gedanken, mir eine dieser kleinen süßen Armbrüste und das eine oder andere Samurai-Schwert zuzulegen, um Langfinger von Vornherein abzuschrecken - lediglich die Frage, wie ich mit meinem Waffenarsenal in den ohnehin schon zum Bersten gefüllten Zug passen soll, hat mich bisher von meinen Aufrüstungsplänen abgehalten.
Ein Gutes hat die Sache aber doch, so komme ich immerhin einmal in den Genuss, hier in Russland eine Internetbestellung durchzuführen. Bestellen kann man in vielen Online-Shops per Email, Webformular, Telefon oder ICQ - das wäre doch noch eine Anregung für unseren Online-Shop - nachdem ich ja mittlerweile auch auf der deutschen Website herumbastel, werde ich morgen gleich mal Stefans ICQ-Nummer zur Bestellannahme veröffentlichen ;-) Elke, hast du denn mittlerweile auch wieder ICQ?
Das Coole an der Sache ist, dass die Kamera morgen per Kurier geliefert wird (wir hatten heute abend bestellt) - Versandkosten inklusive Nachnamegebühren belaufen sich dabei auf ganze 2,50 Euro...
Ich hatte mir ja auch überlegt, die Kamera in einem hiesigen Media Markt einzukaufen, die Versandkosten der Online-Shops und unabhängige Preisvergleiche haben mich dann aber dazu bewogen, mein Glück woanders zu suchen.Witzig ist, dass Media Markt hierzulande statt mit Signalrot mit Schweinchenpink (oder ist es schon Milka-Lila?) wirbt - der deutsche Elektrogigant kam hier nämlich zu spät, und da hatte sich der russische Konkurrent Eldorado schon die aus Deutschland bekannte rot-schwarze Aufmachung schnabuliert.
Bin ja auf jeden Fall schon mal sehr gespannt, ob das mit der Kamera klappt!

Montag, 24. März 2008

Wohl und Wehe der Schneepracht

Ok - tut mir bitte einen Gefallen, und vergesst, dass ich mich gestern über die Gefahren des täglichen Arbeitsweges lustig gemacht habe... Heute bin ich schier zur Salzsäule erstarrt, als ich in der Früh aus dem Zug ausgestiegen bin... In der Bahnstation habe ich nämlich folgendes Hinweisschild entdeckt:
Die Bedrohung scheint also wirklich sehr real zu sein - ich frage mich, wie ich jetzt jemals wieder naiv und fröhlich Zug fahren soll!? Kein Wunder, dass alle Menschen im Zug immer total deprimiert dreinschauen...
Diese maskierten Männer auf dem Plakatt scheinen nichts Gutes im Schilde zu führen, vermutlich liegt morgen in Wild-West-Manier ein gefällter Baumstamm über den Gleisen und alle Passagiere müssen für einen wohltätigen Zweck Taschenuhren und Geldscheine rausrücken...
Ich wusste ja schon immer, dass die modernen Verkehrsmittel eine Todesfalle sind, deswegen fahr ich in Ingolstadt auch nur mit dem Fahrrad - leider geht das hier nicht, da die geschätzte Lebensdauer eines Drahtesels durchschnittlich 45 Sekunden betragen dürfte (oder wie lange braucht man, um das Fahrrad aufzuschließen und aufzusteigen?). Die Fahrräder, die mir seit meiner Ankunft hier begegnet sind, kann ich an einer Hand abzählen - wobei mir eines zwei mal begegnet ist, eigentlich brauche ich also nur eine halbe Hand.
Die Frage ist nur, ob man zuerst von einem Lada vom Fahrrad geholt wird, oder ob einem angesichts der hiesigen Feinstaubkonzentration die Lunge beim dritten Atemzug implodiert - das Bild oben habe ich an einer der Hauptverkehrsstraßen aufgenommen. Wenn man ganz genau hinsieht, dann kann man unter der Smogschicht sogar noch die Werbung für einen Camcorder erkennen - ich vermute also, dass die Plakate jede Woche einmal gründlich gereinigt werden.

Eigentlich hatte ich mich ja darauf gefreut, dass der Schnee jetzt bald endgültig weg ist - wobei ich mir mittlerweile den weißen Schleier des Verdrängens wieder wünschen würde, er hatte nämlich doch viele unansehnliche Seiten des Großstadtlebens übertüncht:
Mein grenzenloses Vertrauen gilt natürlich der Moskauer Müllabfuhr, die allerdings bisher vor allem durch Abwesenheit glänzte - bzw. das weiße Gold taktisch klug zu nutzen wusste und den ganzen Dreck einfach unter den Schneeteppich gekehrt hat.
Es konnte ja auch keiner wissen, dass dieser doofe Schnee mit fortschreitender Saison einfach mir nichts dir nichts in einen anderen Aggregatszustand übergeht.

Sonntag, 23. März 2008

Pragmatischer Umgang mit den Gefahren des Alltags

Dass die russischen Verkehrsmittel nicht unbedingt deutsche Sicherheitsstandards erreichen, habe ich mir ja schon immer gedacht. Dass selbst die Russen von der Unfallträchtigkeit ihrer Züge so überzeugt sind, habe ich nicht gedacht - anders kann ich mir aber nicht erklären, warum man vor dem Bahnhof Grabsteine verkaufen sollte!
Auf der anderen Seite ist das vielleicht die Marktlücke schlechthin - und die will hier erst einmal gefunden werden, schließlich sind Moskaus Bewohner gemeinhin sehr geschäftstüchtig. Wobei ich das ja nicht per se negativ finde, ohne die netten jungen Männer in den Metrostationen würde ich vermutlich nie an einen Bachelor in russischer Geschichte und einen Doktortitel in Slawistik kommen! Bestimmt findet sich auch jemand, der im Prüfungszeitraum zwei schöne Wochen in deutschen Hörsälen verbringen will :-)

Heute war ich außerdem noch auf dem Arbat, das ist die typische Touristenstraße, deren architektonische Vielfalt in erster Linie aus dem Neigungswinkel der verschiedenen Souvenirbuden besteht. Allerdings sind hier zu dieser Jahreszeit recht wenige ausländische Touristen unterwegs; die meisten Leute, die heute unterwegs waren, waren betuchte Russen. Vielleicht waren die alle auf der Suche nach Helmen, die sie auf dem täglichen Weg in die Arbeit vor Unbillen wie explodierenden Zügen oder ähnlichem schützen sollen - so ein Helm ist immerhin billiger als ein repräsentativer Grabstein!

Wobei die Staatsmacht alles tut, um die Sicherheit der Verkehrsmittel sicherzustellen. Gestern Nacht bin ich mit der Metro nach Hause gefahren, als mitten im Tunnel plötzlich eine Durchsage kam - es kommen in der russischen Metro zwar dauernd Durchsagen, zum Beispiel, dass man nett zu alten meckernden Weibern verdienten Heldinnen des Sozialismus sein muss und ihnen den vorgewärmten Sitzplatz überlassen muss, wenn sie einsteigen. Aber diese Durchsage kannte ich noch nicht, und das hat mich dann doch misstrauisch gemacht. An der nächsten Station mussten wir dann alle aussteigen, der ganze Bahnhof wimmelte von Polizei, die dann auch den ganzen Zug durchsucht hat - und denselben dann wahrscheinlich für einen kurzen Betriebsausflug beschlagnahmt hat, jedenfalls mussten alle Normalsterblichen ohne Uniform draußen mitansehen, wie unsere Metro ohne uns weiterfuhr...

Kontrollen durch die Miliz sind hier recht häufig - als besonders
gefährlich werden offensichtlich hübsche junge Frauen erachtet.


Mit der Metro zu fahren, ist sowieso immer wieder lustig und man erlebt viele interessante Dinge dort... Gestern war ich ja auf Sergeys Geburtstag eingeladen - Sergey ist einer der beiden Söhne meiner einzigen deutschen Arbeitskollegen hier in Moskau, Christel. Nachdem ich noch nie bei ihm war, hat mich Sergey netterweise vom Bahnhof abgeholt. Da ich ja mittlerweile hier in Moskau recht gut mit dem Metro-System zurechtkomme, lese ich jetzt ab und zu in der Metro, sonst ist es auf Dauer doch immer recht langweilig. Gestern hatte ich "The Firm" von John Grisham gelesen - kennen sicher viele, aber ich will jetzt nicht zuviel verraten. In dem Buch jedenfalls finden mehrere konspirative Treffen statt, in denen sich die verschiedenen Personen mit geheimen Zeichen zu erkennen geben.
Als ich dann einige Minuten gelesen hatte, war ich mir plötzlich nicht mehr sicher, ob Sergey mich wirklich gebeten hatte, in den letzten Waggon einzusteigen - und welche Zeitung ich mir unter welchen Arm zu klemmen hatte, welcher Schnürsenkel offen sein sollte und ob ich mir jetzt meinen Schal um den Kopf binden oder als Krawatte tragen sollte.
Ich lenke mich jetzt in der Metro lieber mit meinem MP3-Player ab.

Freitag, 21. März 2008

Schoko-Nikoläuse, denen die Chance auf einen zweiten Anfang verwehrt wird

So, um hämische Nachfragen ein für alle mal auszuschließen: nein, wir haben heute keinen Feiertag und ja ich war arbeiten und ja ich muss auch Montag arbeiten gehen ;-)
Ostern wird hier in Russland zum einen nicht so groß gefeiert wie in Deutschland, zum anderen ist es auch an einem ganz anderen Datum: dieses Jahr ist das der 27. April. Der Unterschied kommt dadurch zustande, dass in Russland lange Zeit noch der julianische Kalender galt; erst seit 1918 gilt auch hier der gregorianische Kalender.
Und es kommt noch schlimmer - haltet euch bitte fest, aber es gibt hier keine, ich wiederhole, KEINE Schokoosterhasen... Könnte mir jemand vielleicht ein klitzekleines, ganz witziges Care-Paket........

Keine Schokoosterhasen, und das, obwohl deutsche Produkte hier
so hoch im Kurs stehen!


Immerhin gibt es hier auch Ostereier, aber die werden nicht versteckt - wenn man das den Leuten hier erzählt, dann sind sie auch total entsetzt - man könnte ja vergessen, wo man der Osterhase die Leckereien versteckt hat! Und wenn es dann nach ein paar Wochen nach faulen Eiern stinkt, dann werden wieder zu Unrecht die natürlichen Verdauungsprozesse der Mitmenschen verantwortlich gemacht. Wie man sieht, man geht hier viele Dinge einfach pragmatischer an!

Aber so schlimm ist es nun auch wieder nicht, dass heute kein Feiertag war - schließlich macht arbeiten ja soooo viel Spaß, und die Arbeitszeiten sind ja zum Glück so interpretationsfähig, dass man auch nach der schlimmsten Party noch halbwegs ausgeschlafen kommen kann. Das ist ja eigentlich durchaus adaptionswürdig, weil man dann viel produktiver ist UND am Vortag Spaß haben kann und so... gell, Stefan :-)

Unser Abteilungsleiter Alexey weiß, wie man seine Mitarbeiter
motivieren kann, und es wird einem bei soviel liebevoller
Versorgung auch gleich ganz warm ums Herz.


Heute konnte ich leider niemanden motivieren, mit mir ein bisschen wegzugehen - zwei Tage vorher sind alle noch total begeistert, aber wenn dann der Tag immer näher rückt tauchen plötzlich wie aus dem Nichts Ehefrauen oder andere Sklaventreiber Lebenspartner auf, die einem nicht das letzte Quentchen Spaß gönnen wollen, oder überaschenderweise hat man eine Prüfung, auf die man lernen muss - der Alltag hier steckt wirklich voller Unwägbarkeiten! Aber wenigstens bin ich dann fit für morgen Abend :-)

Donnerstag, 20. März 2008

Flamed Sambuca und andere russische Köstlichkeiten

Wie einige ja schon spekuliert haben: ja, ich hab gestern ein bisschen Party gemacht und konnte deshalb leider nicht an meinem Blog schreiben ;-)
Ich hatte ja endlos nach Opfern bei Kaspersky gesucht, die mit mir zusammen das Moskauer Nachtleben unsicher machen wollen - und gestern sind mein Kollege Viggy, unser Chef Alexey und ich zusammen losgezogen, endlich! Davor haben wir allerdings noch bei Kaspersky die Hochzeit eines Kollegen gefeiert.
Dabei habe ich eine interessante Sorte Bier kennengelernt: Die Kollegen waren sich unsicher, ob das Bier direkt im Supermarkt gebraut oder nur dort gelagert wird, aber jedenfalls kann man besagtem Supermarkt in unserer Nähe frisches Bier kaufen, das einem dann live in braune PET-Flaschen abgefüllt wird... Da das Bier angeblich frei von Konservierungsstoffen ist, muss man es dann - ein Schelm, wer sich böses dabei denkt - umgehend konsumieren...
Hat mich jetzt geschmacklich nicht vom Hocker gehauen, ist allerdings gewissen Ingolstädter Brauereien meiner Meinung nach haushoch überlegen!
Danach sind wir dann zum Kult Club gefahren, wo wir uns einen sehr gemütlichen Abend gemacht haben, und ich habe natürlich weitere Geheimnisse über russische Trinksitten vermittelt bekommen - exklusiv für euch habe ich die russische Standardvariante des Sambuca-Trinkens visuell aufgezeichnet!


Viggy übertreibt am Ende allerdings etwas mit dem Inhalieren, muss man dazusagen... Ich hab das richtig gemacht, kurz und schmerzlos... äh, naja vielleicht ist Viggys Methode im Hinblick auf den nächsten Morgen doch vorteilhafter... Hinterher weiß man immer mehr :-)

Die "Advanced Version", von der er spricht, habe ich dann auch noch bekommen, ich verrate allerdings nicht, wie die funktioniert - aber zurück in Deutschland werde ich das natürlich demonstrieren! Ich glaub aber, dass meine Vorhänge nicht feuerresistent sind, wenn sich also jemand bereit erklärt, sein trautes Heim zur Verfügung zu stellen...!? Voraussetzung ist allerdings, dass ich bis dahin meine neuerworbene Aversion gegen Sambuca wieder abgelegt habe!

Denn nachdem der nette Barkeeper hörte, dass ich aus good ol' Germany komme, hat er uns zuliebe gleich mal die richtig großen Schapsgläser rausgekramt... argh.
Überflüssig zu sagen, dass ich heute morgen nciht in Topform war.
Schalfen konnte ich netterweise bei Vinny, da der doofe Zug ja nicht besonders lange fährt, und ich deswegen einige Probleme bei der Heimreise bekommen hätte - wobei, das Office steht ja jederzeit offen, ich wäre angeblich nicht der erste, der da übernachtet ;-)
Jedenfalls war diese blöde Metro heute mit 100% Sicherheit deutlich lauter als sonst - und ich bin mir sicher, dass Experimente an den Wellenlängen der Töne vorgenommen wurden, jedenfalls bohrten sie sich heute früh besonders tief in meinen Kopf...

Da die Kollegen aber entsprechende Anblicke offenbar schon recht gewöhnt sind, ist der Arbeitstag eigentlich ganz normal verlaufen, insbesondere nach dem lang ersehnten Mittagsmahl in unserer fürstlichen Cantina... Ich bin ganz stolz auf mich, wann immer es etwas russisches gibt, lasse ich Kartoffelpüree und anderen Fast-Food links liegen und übe mich in kulinarischer Assimilation - Borschtsch habe ich aber bisher noch nicht bekommen, und Pelmeni muss es jetzt nicht unbedingt sein, aber abgesehen davon ist uns russisches Essen eigentlich näher als ich ursprünglich gefürchtet angenommen hatte!

Dienstag, 18. März 2008

Lenins Kaufhaus

Nachdem die Idee mit den Plastikschuhschonern sich bei näherer Betrachtung als etwas naiv erwiesen hat, habe ich heute mit Hilfe meines Arbeitskollegen Vanya ein Einkaufszentrum ausfindig gemacht, indem unter anderem auch ein Sportgeschäft ist. Auf dem Weg von der Arbeit bin ich dann mal dort vorbeigegangen - wow, der Laden hat ganz schön was hergemacht!


Einkaufszentren habe ich bisher noch nicht allzu viele gesehen, aber es gibt hier in Moskau sehr viele Geschäfte - aber nicht nur deshalb ist Moskau ein Traum für alle Hardcore-Shopper (ob deswegen so viele leicht bekleidete Mädchen aus ländlichen Gegenden hier sind?).

Die sogenannten Öffnungszeiten sind hier vielerort schlicht nicht existent oder sind sehr großzügig ausgelegt - gerade zentral gelegene Einkaufsstätten haben häufig rund um die Uhr geöffnet. Deshalb war es auch kein Problem, als ich gestern um halb zehn abends mal eben nach Schuhen suchen wollte.
Politisch und gesellschaftlich gebildet dank deutschem Schulsystem, habe ich anfangs immer versucht, eine Lanze für die deutschen Ladenschlusszeiten zu brechen, die die Beschäftigten vor unzumutbaren Arbeitszeiten schützen etc. pp., aber nachdem mir dabei mehrmals verstohlene Seitenblicke zugeworfen wurden, habe ich schon hinter jeder Ecke die Leute mit den weißen Turnschuhen und den lustigen Jacken vermutet, und ich beschränke mich seither auf passiven Widerstand - also ich kaufe jetzt nur ganz wenig spät abends ein... meistens... äh so oft wie möglich... ach lassen wir das!

Der Dekadenz Gipfel ist aber immer noch das bekannte GUM-Kaufhaus, das direkt am Roten Platz und somit direkt gegenüber von Lenins Mausoleum steht:



So ziemlich jede Luxusmarke der Welt ist dort vertreten, und wenn man zum Beispiel die Häuser in unserer Nachbarschaft ansieht, dann fällt einem da doch sehr deutlich der Unterschied auf zwischen Arm und Reich - das sieht man auch beispielsweise an den Riesenschlitten, hinter denen kleine alte Sowjet-Zweitakter herzuckeln...




Ein Musterbeispiel für die Errungenschaften des Sozialismus sind beispielsweise auch die Züge, mit denen ich immer nach Moskau fahre - viele sind schätzungsweise seit Stalins Zeiten nicht mehr gewartet worden:
Aber was soll man sagen, sie fahren immerhin - Fahrpläne sind ja schließlich eigentlich eh nur papierne Gefängnisse für rechtschaffenes Zugpersonal, weswegen kleinere Unpünktlichkeiten milde zu bewerten, wenn nicht sogar als Rebellion gegen die Diktatur der Zeit über den Menschen zu werten sind... Schade dass mir diese Erkenntnis immer abhanden kommt, wenn ich mal wieder einen Zug verpasst habe, weil er fünf Minuten zu früh (!) abgefahren ist!