Sonntag, 16. März 2008

Parkettschoner in der Staatlichen Tretjakow-Galerie oder Warum sich manche praktischen Ideen einfach nicht durchsetzen

Heute war ein bisschen Kultur angesagt, nachdem ich ja gestern in erster Linie alte Kanonen besichtigt habe - André und ich waren heute in der Tretjakow-Galerie.
Als wir an dem Gebäude ankamen, hat uns erstmal fast der Schlag getroffen - eine riesige Schlange Menschen, die fast Vatikan-Wartezeit verhieß...
Nach einiger Beratschlagung sind wir dann in ein relativ unscheinbares Nebengebäude gegangen, weil da auch ab und zu Leute drin verschwunden sind... Ich hatte dann beherzt jemanden angesprochen, der glücklicherweise der englischen Sprache mächtig war - und wir waren tatsächlich in der Tretjakow-Galerie, nebenan war nur eine Sonderausstellung. Keine Ahnung für was, aber wahrscheinlich goldverschnörkelte Ziergabeln oder so ein Krams könnte ich mir vorstellen...
Hier in Moskau ist es ja immer sehr lustig, besonders wenn wir zu zweit unterwegs sind - aber es ist dann doch selbst für unsere erprobtem Zwerchfälle eine Herausforderung, wenn man in ein Museum geht - und als erstes muss man sich dann zu Schuhkondomen umfunktionierte Mülltüten überstreifen, vermutlich um nicht den kostbaren Parkett zu ruinieren.

Nein, André, ganz falsch!

Glücklicherweise muss im Museum jeder diese Tüten überstreifen, die kollektive Scham über die entwürdigende Amputation der Fuß-Individualität lässt Gelächter über diesen komischen Anblick dann gar nicht erst aufkommen... Was mich natürlich nicht daran gehindert hat, fleißig meine Mitmenschen in entsprechender Montur abzulichten - als besonders lohnenswerte Opfer haben sich dabei Anzugträger und Frauen in Highheels erwiesen!

Ach ja, das Museum war auch ganz nett ;-) Es sind dort in erster Linie Gemälde ausgestellt, überwiegend aus dem 15.-19. Jahrhundert, aber auch einigere moderne Bilder und auch einige Skulpturen.
Es gibt allerdings auch noch eine andere Tretjakow-Galerie, ich glaube in der ist dann moderne Kunst ausgestellt, und es befindet sich dort auch ein Skulpturen-Park.
Unbedingt besichtigen will ich auch noch auf jeden Fall das Russische Armee-Museum - nachdem ich ja zu meinem großen Bedauern festgestellt habe, dass die "Errungenschaften des Sozialismus" im Allrussischen Ausstellungszentrum seit ca. 18 Jahren nicht mehr zugänglich sind, das wäre sicher auch sehr interessant gewesen!

Jedenfalls muss ich jetzt dank den Errungenschaften der Tretjakow-Galerie nicht mehr länger nach neuen Schuhen hier suchen - ich ziehe einfach bis zur Arbeit meine neu erworbenen Schuh-Verhüterli an, und dann hab ich dort blitzesaubere Sneakers - trotz einem Arbeitsweg, der mit fruchtbarem Moskauer Schlamm bedeckt ist :-)

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