Dienstag, 18. März 2008

Lenins Kaufhaus

Nachdem die Idee mit den Plastikschuhschonern sich bei näherer Betrachtung als etwas naiv erwiesen hat, habe ich heute mit Hilfe meines Arbeitskollegen Vanya ein Einkaufszentrum ausfindig gemacht, indem unter anderem auch ein Sportgeschäft ist. Auf dem Weg von der Arbeit bin ich dann mal dort vorbeigegangen - wow, der Laden hat ganz schön was hergemacht!


Einkaufszentren habe ich bisher noch nicht allzu viele gesehen, aber es gibt hier in Moskau sehr viele Geschäfte - aber nicht nur deshalb ist Moskau ein Traum für alle Hardcore-Shopper (ob deswegen so viele leicht bekleidete Mädchen aus ländlichen Gegenden hier sind?).

Die sogenannten Öffnungszeiten sind hier vielerort schlicht nicht existent oder sind sehr großzügig ausgelegt - gerade zentral gelegene Einkaufsstätten haben häufig rund um die Uhr geöffnet. Deshalb war es auch kein Problem, als ich gestern um halb zehn abends mal eben nach Schuhen suchen wollte.
Politisch und gesellschaftlich gebildet dank deutschem Schulsystem, habe ich anfangs immer versucht, eine Lanze für die deutschen Ladenschlusszeiten zu brechen, die die Beschäftigten vor unzumutbaren Arbeitszeiten schützen etc. pp., aber nachdem mir dabei mehrmals verstohlene Seitenblicke zugeworfen wurden, habe ich schon hinter jeder Ecke die Leute mit den weißen Turnschuhen und den lustigen Jacken vermutet, und ich beschränke mich seither auf passiven Widerstand - also ich kaufe jetzt nur ganz wenig spät abends ein... meistens... äh so oft wie möglich... ach lassen wir das!

Der Dekadenz Gipfel ist aber immer noch das bekannte GUM-Kaufhaus, das direkt am Roten Platz und somit direkt gegenüber von Lenins Mausoleum steht:



So ziemlich jede Luxusmarke der Welt ist dort vertreten, und wenn man zum Beispiel die Häuser in unserer Nachbarschaft ansieht, dann fällt einem da doch sehr deutlich der Unterschied auf zwischen Arm und Reich - das sieht man auch beispielsweise an den Riesenschlitten, hinter denen kleine alte Sowjet-Zweitakter herzuckeln...




Ein Musterbeispiel für die Errungenschaften des Sozialismus sind beispielsweise auch die Züge, mit denen ich immer nach Moskau fahre - viele sind schätzungsweise seit Stalins Zeiten nicht mehr gewartet worden:
Aber was soll man sagen, sie fahren immerhin - Fahrpläne sind ja schließlich eigentlich eh nur papierne Gefängnisse für rechtschaffenes Zugpersonal, weswegen kleinere Unpünktlichkeiten milde zu bewerten, wenn nicht sogar als Rebellion gegen die Diktatur der Zeit über den Menschen zu werten sind... Schade dass mir diese Erkenntnis immer abhanden kommt, wenn ich mal wieder einen Zug verpasst habe, weil er fünf Minuten zu früh (!) abgefahren ist!

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