Sonntag, 9. März 2008

Kartoffelstöckli mit sauren Gurken und Wodka

Nach zwei Tagen Pause jetzt endlich wieder ein neuer Eintrag - ok, am Freitag musste der Blog ausfallen, weil es halt Freitag war, aber gestern wollte ich eigentlich wirklich was schreiben - aber leider hat mir unser Internetprovider Krastelcom einen Strich durch die Rechnung gemacht, wir konnten uns nämlich nicht einwählen.
Aber ich bin ja froh, dass das Internet heute schon wieder funktioniert - am Montag ist nämlich frei, das heißt langes Wochenende, aber ich hatte schon gehört, dass Störungen am Wochenende erst oft am nächsten Arbeitstag behoben werden. Brrrr, drei Tage ohne Internet, willkommen in der Steinzeit!

Das mit dem freien Montag ist eine sehr witzige Sache - eigentlich war ja gestern, am Samstag, der Feiertag (Internationaler Frauentag!). Aber weil Feiertage am Wochenende ja doof sind, da man da ja eh nicht arbeiten muss, wird der freie Tag auf den Montag verlegt. Was einen natürlich nicht daran hindert, am Freitag einen kürzeren Arbeitstag zu machen, weil ja am nächsten Tag "Feiertag" ist. Habe ich schon erwähnt, dass es mir hier sehr gut gefällt?
Ach ja, und feiern muss man am Freitag auch schon, weil man ja sonst nicht mit den Arbeitskollegen den Frauentag zelebrieren kann - der ist hier in Russland nämlich sehr wichtig, und er wird wirklich ernst genommen - abends in der Metro haben alle Frauen dann so viele Blumen in den Armen, dass sie kaum durch die Tür passen!
Und Russland wäre nicht Russland, wenn man diesen großen Tag nicht mit einem kleinen Umtrunk würdigen würde! Also hat Vasiliy am Freitag Nachmittag schweren Herzens die Schnapsgläser herausgekramt und die nächste Flasche Goldwasser geöffnet... Ich hatte dann den folgenschweren Fehler gemacht, mich zu beschweren, weil mein ganzes sorgsam kultiviertes Weltbild ins Wanken gerät - kein Mensch scheint hier freiwillig Wodka zu trinken! Die Vorräte scheinen dennoch unermesslich zu sein, weil wir dann zum technischen Support eingeladen wurden (jaja, der ist überall weltweit gleich!) - dort hat man mir verschiedenste Sorten Wodka kredenzt, die ich dann alle degoustieren sollte - argh... Deshalb also kein Eintrag am Freitag =)
Kennt eigentlich jemand diesen Brauch, direkt nach dem Genuss von Wodka eine saure Gurke zu essen? Barbaren sag ich da nur, Barbaren!

Ein ganz normaler Arbeitstag... Vasiliy lässt Alla hochleben, nachdem
sie uns bei unserer freitäglichenAfter-Work-Counterstrike-Session
abgezogen hat, während Viggy die,Beweisfotos auf seinem Iphone
bewundert...


Am Samstag wollte ich dann eigentlich in den Kreml - bin dann auch nach einigen morgendlichen Anlaufschwierigkeiten munter Richtung Bahnhof marschiert. Neben unserem Bahnhof ist der lokale Markt - und da ja Internationaler Frauentag war, gab es bergeweise Blumen - sah so aus, als wäre ganz Holland überfallen, ausgeraubt und hierher nach Krasnogorsk verfrachtet worden!
Ich hab dann auch brav meine Fahrkarte gekauft, hab mich an den Bahnsteig gestellt, hab gewartet - und gewartet und gewartet und gewartet, und es kam endlos lange kein Zug. Spontan habe ich dann beschlossen, mir lieber im Reiseführer meinen Plan für nächstes Wochenende zurechtzulegen, und bin dann wieder heim. Das ist übrigens gar nicht so einfach, weil mit meiner Fahrkarte kann ich nur den Zielbahnhof verlassen. Ich kann mich daran erinnern, dass das in London früher auch nach dem gleichen System funktioniert hat in der Metro (keine Ahnung, ob das noch immer so ist) - es gibt praktisch keine Kontrolleure, man kann aber den Bahnhof theoretisch nur betreten und verlassen, wenn man mit Hilfe seiner Fahrkarte Drehkreuze betätigt.
Man sieht aber jeden Tag, wie der weit überwiegende Teil der Leute einfach über die Gleise zwischen den Güterzügen durchgeht und den Bahnsteig hochkraxelt - das geht anscheinend auch noch, wenn man schon auf die achtzig zugeht ;-)

Nachdem ich mir dann einen gemütlichen Tag daheim gemacht hatte, bin ich am Abend zu André gefahren - da haben wir ein undefinierbares russisches Fleischgericht (zumindest hoffen wir das) mit Kartoffelstöckli (=schwyzerdütsch für Kartoffelpüree) zubereitet, war aber trotz der geheimnisvollen Fleischbeilage sehr schmackhaft. Danach wollten wir uns dann natürlich das Moskauer Nachtleben nicht entgehen lassen und sind ins "Propaganda" gegangen. Naja, was soll man sagen - war echt super :-)
Eintritt war erstaunlicherweise umsonst, Garderobe auch - ein Longdrink hat nach der Happy Hour ca. 100 Rubel gekostet, also um die drei Euro...
Entsprechend haben wir es auch sehr lange dort ausgehalten - wir sind um ca. halb sieben morgens gegangen, draußen war es schon hell und trotzdem war der Laden immer noch recht voll, Wahnsinn. Wir haben auch einige lustige Leute getroffen, zum Beispiel einen ca. 35-jährigen Franzosen, der über das Wochenende seine Freundin hier in Moskau besucht, wenn ich das richtig verstanden habe - mit zunehmendem Alkoholkonsum wurde es dann sichtlich schwieriger für ihn, seine Freundin aus der Menge junger Damen zu identifizieren, aber anscheinend war ihm das ziemlich egal - seiner Herzensdame verständlicherweise nicht, weshalb pauvre Marc dann irgendwann sang- und klanglos verschwunden ist... Lustig waren auch zwei Mädels, die ihren eigenen Leibwächter dabeihatten, der unter zwanghaften Zuckungen (ich glaube, er wollte tanzen) ständig um die beiden gekreist ist, um potentielle Entführer und andere Schurken vermutlich durch Lachkrämpfe handlungsunfähig zu machen.

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