Samstag, 15. März 2008

Die tollste Kanone der Welt und andere Sehenswürdigkeiten

Tada! Heute habe ich's endlich einmal in den Kreml geschafft!! Das heißt - naja, die Waffenkammer war aus unerfindlichen Gründen geschlossen, und einige der Kirchen werden gerade renoviert und konnten deshalb nicht besichtigt werden... Aber egal, drinnen war ich!

Das heißt dass ich auch endlich die berühmte Zarenkanone ansehen konnte - man beachte die coolen Felgen! Eine Kanone, wie geschaffen dafür, Clowns etc. durch die Gegend zu schießen :-)
Irgendein Witzbold hat wohl die Zarenkanone tatsächlich ausprobiert und dabei gleich zielsicher die Zarenglocke getroffen, da fehlt nämlich ein Eck:
Ich hatte ja selber Glück, dass die Zarenkanone nicht auf mich abgefeuert wurde... In der Zeit, die ich bisher hier verbracht habe, habe ich ja schon eine leichte Aversion gegenüber Zebrastreifen aufgebaut. Unbewusst versuche ich sie deshalb zu meiden - es kann ja auch keiner wissen, dass Zebrastreifen im Kreml die offiziellen Besuchswege markieren sollen! Jedenfalls kein Grund, wie ich finde, mir gleich einen Trupp Soldaten hinterherzuschicken, wenn ich mir mal ein bisschen entlegenere Gebäude anschauen will! Ich hätte schon nicht Putins Dienstkutsche entführt...
Nachdem mich dann die netten Herren in Uniform (zum Glück nur mit Trillerpfeifen bewaffnet) wieder auf den Pfad Zebrastreifen der Tugend zurückgeführt haben, habe ich halt statt Putins Amtszimmer die Kathedralen besichtigt. Ich war dann doch etwas erstaunt, als in der ersten Kathedrale lauter Zeremonienäxte und ähnliches Utensil ausgestellt wurde. Unter anderem auch folgendes Gerät, das laut Beschreibung ein "concept dagger" sein soll:

Da war ich ganz mutig, als ich das aufgenommen habe - ist nämlich streng verboten ^^ Und nachdem ich ja nach meinem Vergehen gegen die StVO bestimmt eh schon eine Akte beim KGB habe, wäre diesmal bestimmt gleich ein Panzer angerasselt gekommen...
Aber um nochmal auf den "Konzeptdolch" zurückzukommen - er sieht ja nun doch etwas komplizierter in Hinblick auf Handhabung und Bewegungsfreiheit aus, wird also denke ich schon noch einige Zeit im Konzeptstadium bleiben (und sich fröhlich weiter in der Kathedrale auf dem Kremlhügel drehen)...

Nachdem es jetzt in den Kathedralen nichts wirklich atemberaubendes zu sehen gab (außer den Weißwurstkesseln des Patriarchen in dessen Palast), und außerdem ja fast alles nur auf kyrillisch ausgeschildert ist, war ich dann relativ schnell fertig - allerdings habe ich noch einige Panoramafotos gemacht, man hatte nämlich relativ gute Sicht von da oben.


Das weiße Gebäude im Hintergrund ist eine der sogenannten "Sieben Schwestern" - ich glaube die Lomonossow-Universität. André und ich standen schon einmal direkt vor dem Außenministerium, das ein weiterer dieser Türme ist... Die Dinger sind wirklich gewaltig - riesengroß und sehr eindrucksvoll und düster, erinnert mich ein bisschen an die Türme in "Sin City" oder Gotham!

Da ich ja dann eh schon beim Kirchenbesichtigen war, habe ich mir auch noch die berühmte Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz vorgenommen, die ich ja bisher nur von außen fotografiert habe, dafür aber um so öfter ;-)

Ich war allerdings sehr erstaunt, als ich hereingekommen bin - mit einer Kathedrale aus dem westeuropäischen Raum hat die Basilius-Kathedrale nur den Namen gemeinsam, sowohl von außen als auch von innen ist der Unterschied riesig. Die Basilius-Kathedrale besteht im Inneren aus lauter verschachtelten Gängen mit kleineren Gebetsräumen - es ist wirklich labyrinth-artig, ich habe mich fast verlaufen - wenn ich das gewusst hätte, hätte ich Pelmeni hinter mir hergestreut, damit ich wieder rausfinde ;-)


Etwas enttäuscht war ich allerdings, dass die Hälfte dieser Räume zugepflastert sind mit Souvenirläden - die natürlich zu allem Überfluss auch noch das El Dorado für alle kitschbegeisterten älteren Damen sind und glitzern und blinken dass man fast blind wird ;-)


Aber ich bin ja froh, dass ich es heute überhaupt zu meiner Sightseeing-Tour geschafft habe - gestern abend war ich mir da nämlich nicht ganz so sicher.
Das lag natürlich ausschließlich an dem reichhaltigen Buffett, das in unserem Büro aufgetischt wurde...
Viggy und The Big Boss Alexey haben ja zusammen Geburtstag gefeiert, und wie von ihnen angekündigt wurde es sehr feucht-fröhlich - und ich konnte viel Fachwissen über russische Trinksitten sammeln.
Beispielsweise ist es ganz besonders wichtig, dass man nicht "downgraden" darf - wenn man also mit Wodka anfängt, darf man danach kein Bier trinken (ich frag mich immer noch, ob das stimmt oder ob das alles Spezialregelungen für deutsche Praktikanten sind).
Und man darf sich seinen Wodka nicht selber einschenken, sondern jemand anderes muss die Dosierung übernehmen (auch das hört sich nach einer ad-hoc erfundenen Regel an, finde ich!).
Und ich weiß jetzt endlich, warum hier kein Mensch Wodka trinkt: Wodka gilt nämlich als hierzulande als das billigste Rauschmittel, weshalb jeder Russe, der etwas auf sich hält, beim Konsum alkoholischer Getränke auf ausländisches Hochprozentiges zurückgreift. Also wie man sieht, ich lerne auf jeden Fall was in meinem Praktikum - frägt sich nur, wie ich DAS in meinen Praktikumsbericht packen soll...

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